österreichisches kuratorium für alpine sicherheit

Lawinenunfälle in Österreich im Winter 2005/2006

von Mag. Rudi Mair

Der Lawinenwinter 2005/2006 war aus Sicht der Statistik ein durchschnittlicher: mit 22 Lawinentoten in Österreich wurde annähernd der langjährige Durchschnitt erreicht. Interessant auch der Vergleich mit den beiden wesentlich extremeren Vorwintern: so gab es 2003/2004 mit 8 Lawinentoten eine sehr geringe Opferbilanz, während im Winter 2004/2005 immerhin 48 Menschen bei Lawinenunfällen ums Leben kamen.
Von diesen 22 Lawinentoten entfielen 10 auf Tirol, 4 auf Vorarlberg, je 3 auf Salzburg und die Steiermark sowie je 1 auf Kärnten und auf Niederösterreich. Dieser Lawinentote in Niederösterreich war übrigens der Anlass, dass nun auch für Niederösterreich ein Lawinenlagebericht erstellt wird (derzeit von den Kollegen des Lawinenwarndienstes Steiermark). Die Gesamtzahl der bei Lawinenunfällen betroffenen Personen lag im Winter 2005/2006 bei 226, wobei der Großteil davon (124) unverletzt blieb, 21 Personen wurden schwer, 31 leicht verletzt.

Betrachtet man die Gesamtzahl dieser 226 an einem Lawinenunfall beteiligten Personen nach Unfallart, so waren der Großteil entweder im Skitourengelände (114 Personen) oder im Variantenbereich (107 Personen) unterwegs. Aufgeschlüsselt nach Altersklassen, waren 61 Beteiligte der Altersklasse 21-30 Jahre und 46 jener von 31-40 Jahren zuzuordnen. In der Klasse von 41 bis 50 Jahren waren es noch 33 Personen, in jener von 51 bis 60 Jahren mit 20 schon deutlich weniger. Die meisten Beteiligten an Lawinenunfällen kamen, wie auch in den vergangenen Jahren, mit 108 aus Österreich, gefolgt mit 62 Personen aus Deutschland. Aus Sicht der Lawinenwarndienste war der Winter 2005/2006 in Bezug auf den Schneedeckenaufbau sicher kein besonders günstiger. Gerade Mitte Februar 2006 waren teilweise äußerst labile Verhältnisse anzutreffen. Dass die Unfallzahlen trotzdem relativ „im Rahmen“ blieben, ist zum einen der immer besser greifenden Aufklärung und Information zu danken (die Zugriffszahlen auf die Internetseiten der Lawinenwarndienste klettern beständig nach oben!). Zum anderen darf aber auch nie der Faktor ‚Zufall’ oder ‚Glück’ vergessen werden: so ereignete sich z.B. am 17. März 2006 ein Lawinenabgang am Berglasferner (Stubaier Alpen, nahe der Franz-Senn-Hütte), bei dem wie durch ein Wunder keine Personen zu Schaden kamen, obwohl sich 40 bis 50 Personen im Nahbereich des Lawinenabganges aufgehalten hatten. Ein einziger solcher Großunfall würde die bestehende Statistik völlig verändern und uns wahrscheinlich von einem „Katastrophenwinter“ sprechen lassen...