| Lawinenunfälle in Österreich im Winter 2003/04
von Mag. Walter Würtl
Im vergangenen Winter verstarben acht Menschen in Lawinen. Vergleicht man die Lawinenunfälle des vergangenen Winters mit den letzten Jahren, so könnte man beinahe von einer ?erfreulichen Bilanz? sprechen. Trotz eines drastischen Rückgangs der Lawinenopfer haben immer noch acht Menschen ihr Leben beim Wintersport verloren sowie 19 Personen zum Teil schwere Verletzungen davongetragen.
Mögliche Gründe für den Rückgang?
Die Frage nach den Ursachen der im Vergleich geringen Zahl an Lawinenunfällen ist schwierig zu beantworten, da sehr viele Faktoren (Schneedeckenaufbau, Begehungszahlen, ?) eine wichtige Rolle spielen. Bestimmt war das relativ schlechte Wetter dafür verantwortlich, dass zum einen etwas weniger Touren/Varianten gemacht wurden, bzw. man sich auf Routen beschränkte, die man kannte oder die weniger ?gefährdet? waren. Nicht zuletzt wurden im Winter 2003/04 auch die ?Schutzengel? besonders in Anspruch genommen, denn zahlreiche Lawinenabgänge gingen glimpflich aus, die mit etwas weniger Glück tödliche Konsequenzen gehabt hätten.
Unfallort. Die meisten Lawinenunfälle wurden in Tirol (n.25) verzeichnet. An zweiter Stelle folgt Vorarlberg (n.11), danach Salzburg (n.7), Steiermark (n.6), Kärnten (n.5), Oberösterreich (n.5) und Niederösterreich (n.1). Damit liegt nicht nur die Zahl der Opfer, sondern auch die Zahl aller Unfälle deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.
Sportart. Von den Sportausübenden sind die meisten Unfälle bei den Skitourengehern zu verzeichnen (35 Unfälle mit 56 Beteiligten). Beim Variantenfahren passierten gesamt 20 Unfälle mit 43 Beteiligten. Was die Opfer betrifft so gab es bei den Tourengehern 13 Verletzte und 3 Tote, bei den Snowboardern (Variante) 3 Verletzte und 4 Tote, bei den Schiläufern (Variante) 2 Verletzte und einen Toten. Dem entsprechend sind die Lawinenopfer im Variantenbereich höher als auf Schitour.
Männer. Dass der Lawinenunfall ?männlich? ist, bestätigte sich auch im Beobachtungszeitraum 2003/04, da rund 87 % der betroffenen Personen Männer waren. Dies entspricht ziemlich genau dem Verhältnis der letzten Jahre. Auch wenn davon ausgegangen wird, dass mehr Männer das freie Gelände aufsuchen als Frauen, so muss dennoch festgehalten werden, dass Männer wahrscheinlich auch mehr Risiko beim Wintersport eingehen.
Lawinenzeiten. Die Häufung von Unfällen an bestimmten Tagen legt die Vermutung nahe, dass es so etwas wie ?Lawinenzeiten? gibt. Beispielsweise passierten alleine am 5. und 6. Jänner sechs Lawinenunfälle, welche jedoch fast keine Opfer (?nur? einen Verletzten) forderten. Lawinen können zwar immer abgehen, dennoch sind die Hinweise der Lawinenwarndienste oder versierter Auskunftspersonen dringend zu beachten, denn das Gefahrenpotential ist, was die allgemeine Lawinengefahr betrifft, im Verlauf des Winters durchaus unterschiedlich.
Alter. Besonders interessant ist die Altersverteilung der Unfallbeteiligten. Die WintersportlerInnen zwischen 31 und 40 Jahre alt (n.30) haben die meisten Unfälle, fast gleich auf in dieser unrühmlichen Rangliste sind die 21 bis 30 Jährigen. Die vielfach gescholtenen Jugendlichen hatten im letzten Winter sogar weniger Unfälle (n.16) als die Gruppe der ?alten Hasen? zwischen 41 und 50 Jahren (n.17). Die sprichwörtlich hohe Risikobereitschaft der ?jungen Wilden? scheint eher einem Risikobewusstsein gewichen zu sein, während die ehemals ?wilden Hunde? ihr riskantes Verhalten ins hohe Alter mitgenommen haben.
Herkunft. Die meisten Beteiligten an Lawinenunfällen kamen auch im vergangenen Winter wieder aus Österreich (n.54), wobei diese Zahl nur rund 1/3 des Vorjahres ausmacht (n.160). Mit 43 Personen kamen aus Deutschland ähnlich viele Lawinenbeteiligte wie im vergangenen Jahr (n.39). Neun Personen stammen aus anderen europäischen Ländern bzw. aus den USA. Damit ist die Anzahl der Ausländer im Vergleich zum Vorjahr annähernd gleich geblieben. Auch diese Tatsache spricht für die ?Schlechtwettertheorie?, da diese als Urlauber nun einmal hier sind und unabhängig von den äußeren Verhältnissen ihr ?Erlebnis? suchen, während die Einheimischen doch flexibler agieren können und bei schlechtem Wetter zu Hause bleiben bzw. einfachere Touren/Varianten unternehmen.
Alleingeher. Dass Alleingänger besonders gefährlich unterwegs sind, zeigt sich wieder in mehr als 10 Fällen. Schon kleine Lawinen oder Unfälle können dabei lebensgefährlich sein. Wer alleine losgeht, sollte stets sein Ziel und den Zeitpunkt seiner Rückkehr angeben, sich bei der Tourenauswahl stark an viel begangene ?Modetouren? orientieren oder ?Pistentouren? machen.
Kameradenbergung. In der Tat erfreulich ist die hohe Zahl an erfolgreichen Rettungsaktionen durch Kameraden. Dabei kommt der gründlichen Oberflächensuche besonderes Augenmerk zu. Gute und vollständige Notfallausrüstung, sowie wiederholtes Training der Verschüttetensuche können bewiesenermaßen die Überlebenschancen nach einem Lawinenabgang deutlich verbessern! Dass sich auch die Mitnahme eines Lawinen-Airbags rentiert, zeigte ein Unfall eines Alleingängers, der diesen auslösen konnte und wahrscheinlich deshalb an der Oberfläche blieb.
Abschließend sei im Namen aller Wintersportler, den zahlreichen Helfern von Bergrettung, Pistenrettung, Alpingendarmerie, Rettungshubschraubern, ? herzlich für ihren großen Einsatz gedankt. Beispielhaft sei der Vorfall auf der Steinplatte vom 27. März 2004 genannt. Ein zufällig anwesender Bergrettungsmann konnte mit seinem Lawinenhund einen verschütteten Schifahrer retten, der ohne diese Hilfe den Lawinenabgang wahrscheinlich nicht überlebt hätte. DANKE!!! |