| Lawinenunfälle in Österreich im Winter 2002/03
von Mag. Walter Würtl
Im vergangenen Winter verbrachten wieder unzählige Menschen ihre schönsten Stunden in den Bergen. Hunderte Gipfel wurden bestiegen, Tausende Hänge befahren und das in den allermeisten Fällen unfallfrei. Dennoch passierten auch im Winter 2002/03 wieder zahlreich Lawinenunfälle mit mehr als 200 Beteiligten. Für 34 Wintersportler kam dabei jede Hilfe zu spät.
Die vorliegende Statistik bietet kein vollständiges Bild vom Unfallgeschehen Winter 2002/03 in Österreich, da lediglich die bekannt gewordenen Ereignisse erfasst und dokumentiert wurden. Während man bei den tödlichen Unfällen wahrscheinlich gesicherte Zahlen hat, trifft dies für verletzte oder unverletzte Beteiligte kaum noch zu. Häufig werden kleinere Zwischenfälle aus unterschiedlichen Gründen verschwiegen. Dennoch sind im vorliegenden Bericht über 80 Fälle kurz beschrieben, um dem interessierten Leser einen Einblick zu verschaffen. Für die Datenerhebung und Weiterleitung wird an dieser Stelle besonders der Alpingendarmerie bzw. dem Bundesministerium für Inneres und dem Österreichischen Bergrettungsdienst gedankt.
Die mit Abstand am meisten Lawinenunfälle wurden wieder in Tirol verzeichnet. Das größte Lawinenunglück ereignete sich am 30. Jänner 2002 in der Steiermark, wo drei Schitourengeher ums Leben kamen. Obwohl es glücklicherweise keine Großereignisse mit zahlreichen Lawinenopfern gab, ist die Gesamtopferzahl wieder deutlich höher als in den vergangenen beiden Jahren und auch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
Die mit Abstand meisten Unfallopfer (verletzt oder tot) waren wieder bei den Skitourengehern zu verzeichnen. Das Unfallgeschehen betreffend muss leider festgestellt werden, dass Tourengeher vielfach keine Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde, Handy, Erste Hilfe Box) mitführen bzw. verwenden, obwohl eine rasche Kameradenrettung für viele Lawinenopfer die einzige Überlebenschance darstellt. Erschreckend hoch ist auch die Zahl jener Personen, denen es zum Verhängnis wurde, dass sie alleine im winterlichen Gebirge unterwegs waren. Obwohl durch rasche und effiziente Kameradenrettung viele Lawinenereignisse noch einen guten Ausgang nehmen können, wird auch aus den Unfällen des letzten Winters klar, dass eine Lawinenverschüttung stets Lebensgefahr bedeutet. Dem entsprechend gab es viele erfolgreiche Kameradenrettungen, jedoch auch einige Unfälle, die trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen tragisch endeten.
Die Gruppe, die von Lawinenunfällen am zweithäufigsten betroffen war, sind die Variantenfahrer. Dabei scheint der Unterschied zwischen Skifahrern und Snowboardern nur gering zu sein. Insgesamt ist festzustellen, dass Variantenfahrer in vielen Fällen nicht über die obligatorische Notfallausrüstung verfügen und auch bei hoher Lawinengefahr den gesicherten und organisierten Schiraum verlassen, bzw. auch besonders steile Hänge in Pistennähe befahren.
Eine besonders unglückliche Häufung von Unfällen beim Bergsteigen war Ende 2002 zu beobachten. Innerhalb von 3 Tagen stürzten vier Alpinisten über steiles Felsgelände tödlich ab, nachdem sie im Aufstieg ein Schneebrett ausgelöst haben. Im Zuge der Suchaktion nach einem verunfallten Bergsteiger kam es in Oberösterreich auch zum Lawinenereignis mit den meisten Beteiligten (n.53). Glücklicherweise wurden ?nur? zwei Bergretter leicht verletzt.
Von der Altersverteilung her waren die meisten Unfallbeteiligten zwischen 21 und 30 Jahre alt (n.39). Danach kommen die Altersklassen von 31-40 und 41-50 Jahre. Die oft zitierten Jugendlichen fallen in der Unfallstatistik nicht besonders auf, da nicht einmal 10 % der Unfallbeteiligten jünger als 21 Jahre war.
Die allermeisten Beteiligten an Lawinenunfällen kamen auch im vergangenen Winter wieder aus Österreich (n.160). 39 Personen stammten aus Deutschland, vier aus Tschechien, je zwei aus Polen, Niederlande, Großbritannien, Belgien und je eine Person aus Italien, Ungarn, Kanada und Australien. Bei 8 Personen ist die Herkunft unbekannt.
Dass der Lawinenunfall ?männlich? ist, bestätigte sich auch im Beobachtungszeitraum, da über 88 % der betroffenen Personen Männer waren. Auch wenn davon ausgegangen werden kann, dass sich mehr Männer im freien Gelände aufhalten als Frauen, so liegt dieser Wert trotzdem noch einmal über der tatsächlichen Verteilung von Männern und Frauen bei der Sportausübung. |