österreichisches kuratorium für alpine sicherheit
Lawinenunfälle in Österreich im Winter 1998/99

von Mag. Raimund Mayr

Der Winter 1998/99 war gekennzeichnet von den Katastrophenereignissen in Galtür und Ischgl-Valzur. Bei diesen zwei Lawinenunfällen starben 38 Personen. Man muß bis ins Jahr 1972/73 zurückblättern, um eine ähnlich schlechte Jahresbilanz zu finden. In der vorliegenden Statistik wurden in erster Linie Personenereignisse berücksichtigt. Nur wenige Sachschadensfälle wurden in die Statistik aufgenommen. Allein die 50 Schadensmeldungen bei Gendarmerieposten in Tirol hätte den Umfang gesprengt. Aus einer Erhebung des Institutes für Lawinen- und Wildbachforschung in Innsbruck geht hervor, daß im abgelaufenen Winter in Österreich 81 Gebäude zerstört bzw. beschädigt und 125 Fahrzeuge zerstört wurden. Weiters wurden ca. 1055 ha Waldflächen von Lawinen zerstört. Durch den Schneebruch ist der österreichweite Schadholzanfall noch wesentlich höher.

Die verbleibenden neun Lawinentoten teilen sich wie folgt auf: 5 Personen beim Skitourengehen, 2 Pistenskifahrer, 1 Snowboarder und 1 Soldat auf einem Schießplatz. Erwähnenswert ist, daß sich im vergangenen Winter mehr Snowboarder als Skifahrer bei Lawinenereignissen im Variantengelände verletzten. Im Bundesländervergleich schneidet heuer Tirol besonders schlecht ab. 45 der insgesamt 50 Lawinentoten entfallen auf dieses Bundesland.

In der Unfallstatistik (siehe Grafik "Lawinenunfälle im Winter 1998/99") werden keine Vorfälle berücksichtigt, deren Ursache auf einen Wächtenbruch zurückzuführen sind, z.B. Unfall Dreiherrenspitze und Geiger.

Einer der schwersten Unfälle war der am 7.10.1998 im Rettenbach Skigebiet. Neun Personen wurden auf einer offenen Piste erfaßt, zwei konnten nur noch tot geborgen werden. Einer konnte jedoch nach zwei Stunden aus 1,5-2m Tiefe lebend geborgen werden. Mehrere Verschüttete konnten durch eine exakte Augensuche von Beteilgten gefunden werden. Auch das LVS Gerät hat sich als Lebensretter erwiesen, zweimal kam auch trotz LVS Gerät jede Hilfe zu spät, z.B. am 3.5.1999 bei der Abfahrt vom Hinteren Seelenkogel, wo ein Alpinist von einer Lawine in eine Gletscherspalte mitgerissen und mehrere Meter verschüttet wurde. Während die Skitourengeher meist gut ausgerüstet waren, wies die Ausrüstung der Variantenfahrer große Mängel auf.

Auch im abgelaufenen Jahr konnte mehrmals mit dem Handy Hilfe organisiert werden, einmal sogar über die Eltern in Deutschland. Erstmals wurde in die Unfallstatistik ein Lawinensprengereignis (25.2.99 in Gargellen) aufgenommen. Eine Sekundärlawine verursachte glücklicher Weise nur Sachschaden.