österreichisches kuratorium für alpine sicherheit

Lawinenunfälle in Österreich im Winter 1996/97

von Dr. Helmut Bauer

Die Beschreibungen des Unfallherganges der Lawinenunfälle des Winters 1996/97 stammen größtenteils aus den in den Printmedien erschienenen, vom Verfasser gesammelten Meldungen. Sie wurden in einigen Fällen durch schriftliche Mitteilungen seitens der an den Sucheinsätzen beteiligten Rettungsmänner und/oder  Lawinenhundeführer des Österr. Bergrettungsdienstes sowie nach persönlicher Kontaktaufnahme durch Schilderungen der mit den Erhebungen betraut gewesenen Exekutivbeamten (selbstverständlich unter Wahrung des Datenschutzes) ergänzt. Ein Vorschlag aus dem Kreise der Leserschaft, auch die tödlich Verunfallten nicht mehr namentlich zu nennen, habe ich gerne angenommen. Erstens sind Namen für die Unfallforschung unwichtig und zweitens weiche ich damit datenschutzrechtlichen Problemen aus.

Apropos Datenschutz: Dem aufmerksamen Leser vorheriger Lawinenstatistiken wird nicht entgangen sein, daß einerseits aus Gründen des Datenschutzes und andererseits wegen arbeitsmäßiger Überlastung der Gendarmeriebeamten dem Verfasser nach Aufhebung eines ministeriellen Erlasses die Gendarmerie-Unfallerhebungsberichte bereits seit dem Winter 1993/94 nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Dies ist der Hauptgrund, warum sich der Verfasser bereits seit diesem Zeitpunkt mit dem Gedanken trägt, mit der Erfassung der Lawinenunfälle in Österreich Schluß zu machen. Nun ist mein Entschluß, mit der Lawinenstatistik aufzuhören, endgültig.

Die weiteren dafür verantwortlichen Gründe sind: Eine ausführliche, vor allem aber wahrheitsgetreue Schilderung des Unfallherganges ist das Um und Auf bei der Prophylaxe. Im vorbeugend wirken zu können, muß ich dem  Verbraucher sagen können, was genau geschehen ist, und diesbezüglich schweigen die Presseberichte zumeist. Ich habe in den letzten Jahren, während denen ich das Unfallgeschehen mehr oder weniger ausschließlich den Pressemeldungen entnehmen mußte, feststellen  müssen, daß die Berichterstattungen über Lawinenunfälle, insbesondere was deren genaue Ursachen betrifft, mit Tatsachenberichten sehr wenig, oft sogar nicht das Geringste zu tun haben. Auch ins Detail gehende Medienberichte haben mir fast immer gefehlt.

Es ist immer mein Bestreben gewesen, einen möglichst wahrheitsgetreuen Bericht vorzulegen und dies ist aufgrund der genannten Umstände in den letzten Jahren nicht mehr möglich gewesen. In meinem Bemühen um Wahrheitsfindung habe ich unzählige Male die mit der Unfallerhebung befaßten örtlichen Gendarmerie-posten angerufen und den zuständigen Beamten um die Verifizierung der Presseberichte ersucht. Diesbezüglich sei mir dem Hinweis gestattet, daß es meist nicht leicht war, diese Posten ausfindig zu machen und das Erhebungsorgan im Dienst anzutreffen. Aber aufgrund der eingangs erwähnten Arbeitsüberlastung und des Datenschutzes waren diese mühsamen Versuche oft vergeblich.

Der zweite Grund, der mich veranlaßt, mit der Lawinenstatistik aufzuhören, ist der, daß ich festgestellt habe, daß einige Institutionen in Österreich, von wem auch immer, sehr wohl die von mir angesprochenen Gendarmerie-Unfallberichte zur Verfügung gestellt bekommen. Meine berechtigte Frage: Warum ich nicht, wohl aber andere? Ich habe gehofft, daß das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit, für das ich in erster Linie die Lawinenstatistik verfaßt habe, Interesse zeigt (genügend Einfluß wäre sicherlich vorhanden), um in dieser Hinsicht für mich etwas zu unternehmen, z.B., um das Wichtigste zu nennen, das Bundes-ministerium für Inneres zu ersuchen, den Beschluß, mir die Gendarmerieberichte nicht mehr zur Verfügung zu stellen, zu revidieren. Mein Ärger über diese jahrelange Untätigkeit ist riesengroß. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, daß ich bereits im Mai d.J. eine der Stellen, die die Gendarmerieberichte erhält, um Übermittlung derselben ersucht habe. Bis Mitte August (Redaktionsschluß für die vorliegende Statistik) ist mir kein einziger Bericht zugegangen.

Und wenn wir schon beim Kuratorium sind. Ich habe dieser Institution, die ich (nicht nur, weil ich selbst Mitglied bin) für sehr wichtig halte, jahrelang die Lawinenunfallberichte versandfertig und in genügend großer Anzahl (zwischen 150 und 200 Exemplaren) zur Verfügung gestellt. Es sei mir an dieser Stelle erlaubt, dem Land Kärnten für diese indirekte Subvention zu danken. In den letzten Jahren habe ich mich den maßgeblichen Herren im Kuratorium gegenüber mehrmals dahingehend geäußert, daß es nicht sinnvoll ist, die Lawinenstatistik ausschließlich deshalb zu "produzieren", um sie allen Kuratoriumsmitgliedern zukommen zu lassen. Mir ist die Verteilerliste bekannt, und ich weiß von vielen dieser "honorigen" Personen, daß sie an einer Lawinenstatistik von Österreich nicht im geringsten interessiert sind und diese ungelesen entweder gleich dem Papierkorb übergeben oder irgendwo schubladisieren. Für solche Dinge ist mir meine Arbeit zu zeitaufwendig und zu mühevoll. Richtig wäre es meiner Meinung nach gewesen, um der Sache zu dienen (nicht dem Verfasser zuliebe), daß man seitens des Kuratoriums mein Produkt dorthin gebracht hätte, wo es eigentlich hingehört, nämlich in die Öffentlichkeit, und zwar z.B. in Form von Presseaussendungen. Man soll wissen, was die Ursachen sind, warum wir in Österreich jedes Jahr so viele Lawinentote haben. Jedoch nichts Derartiges ist auf Initiative des Kuratoriums in den vielen Jahren meiner Tätigkeit geschehen. Ich selbst mußte aktiv werden und habe hin und wieder seitens des Kärntner Lawinenwarndiestes Presseaussendungen gemacht, war aber als Einmannbetrieb dazu weit weniger, als notwendig gewesen wäre, in der Lage, da ich mich dienstlich mit noch wichtigeren Dingen zu befassen habe.

Abschließend bedanke ich mich bei all denjenigen Personen, die meine Berichte mit Interesse gelesen und auf diese Weise wertvolle Aufklärung vermittelt bekamen. Vielleicht habe ich erreicht, daß zumindest einige wenige meine Ratschläge befolgt haben, d.h. sich "richtiger" verhalten haben, als die vielen anderen, deren Fehlverhalten ich in meinen Berichten immer wieder bewußt angeprangert habe.