Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 2005
zusammengestellt von Franz Sladek
- Handy.
Ein 16-jähriger deutscher Urlaubsgast fuhr mit seinem Snowboard abseits der Piste und folgte Schispuren im Tiefschnee. Er verlor die Spur aus den Augen und kam in sehr steiles, schwieriges Gelände. Ein Abstiegsversuch endete oberhalb eines Wasserfalles. Über sein Handy verständigte er seinen Vater, der seinen Sohn bei der Bergstation als vermisst meldete. Im Zuge der großangelegten Suchaktion konnte der Urlauber aus seiner misslichen Lage befreit werden.
- Helm.
Ein zehnjähriges Urlaubskind aus Deutschland hatte am 8. Jänner 2005 bei einem Schiunfall in Werfenweng/Salzburg einen Schädelbruch erlitten, obwohl es einen Schutzhelm getragen hatte. Der Bub wurde frontal von einem 16-Jährigen gerammt.
- Absturz.
Am 14. Jänner 2005 fuhr die zehnjährige Stefanie hinter dem Elternhaus mit einem Plastikbob bergab und fiel dabei vom Bob herunter. Dieser rutschte weiter. Das Kind rannte hinter seinem Spielzeug her. Stefanie stürzte, rutschte auf dem Schnee weiter und fiel schlussendlich 150 Meter tief über den 70 Grad steilen Abhang in die Tiefe. Ihr Bruder schlug sofort Alarm. Die Mutter rief die Rettung und stieg dann selbst zu ihrem Kind ab. Retter mussten sich zu Stefanie und deren Mutter abseilen und flogen dann mit ihr in das Landeskrankenhaus Villach. Diagnose: Gehirnerschütterung, Nasenbeinbruch, Prellungen und Schnittwunden.
- Absprung.
Ein 41-Jähriger Schifahrer aus Luxemburg war mit der Id-Joch-Sesselbahn talwärts unterwegs, als die Bahn betriebsbedingt kurz anhalten musste. Der Urlauber dachte, man habe ihn vergessen, und sprang aus sechs Metern Höhe in die Tiefe, er blieb unverletzt.
- Wegabschneider I.
Zwei Freunde (41 Jahre alt) stiegen am 4. Jänner 2005 über wegloses Gelände (Längenfeld/Tirol) talwärts ab. Dabei rutschte einer auf einer mit Schnee bedeckten Eisplatte aus und stürzte über eine ca. 100 Meter hohe Felswand ab, wobei er tödliche Verletzungen erlitt. Sein Freund stieg zu dem Abgestürzten ab und verletzte sich dabei ebenfalls (Rippenbrüche und Prellungen). Beide wurden von der Bergrettung geborgen und mit dem Hubschrauber abtransportiert.
- Wegabschneider II.
Michael B. und Emil H. (48, 50) aus Deutschland (24.09.2005) wollten über den markierten Weg Richtung Zafernjoch/Fontanella/Vorarlberg aufsteigen. Da beiden der Weg auf dem Grat zu gefährlich erschien, entschlossen sie sich, über den steil abfallenden Grashang Richtung Zafernalpe abzusteigen. Um den Weg abzukürzen, rutschen sie auf dem Hosenboden ab. Beide stürzten und blieben nach 100 Metern schwer verletzt liegen (Prellungen und Hautabschürfungen sowie Schädel-Hirn-Trauma). Beide wurden mittels Seilbergung geborgen und in das Krankenhaus geflogen.
- Absturz mit Schneeschuhen.
Im Zuge einer Schneeschuhwanderung am 27.01.2005 im Bereich der Gemeinde Pfunds, nordöstl. Hahntennenberg/Tirol, die ein 66-Jähriger Wanderführer aus Österreich anführte, musste die Gruppe einen kleinen Schneewall mit ihren Schneeschuhen queren. Dabei rutschte ein 63-Jähriger Urlaubsgast aus Deutschland aus. Dem Führer gelang es noch, den abrutschenden Gast bei der Rucksacktrageschlaufe zu erfassen, konnte diesen jedoch nicht mehr halten und beide rutschten anschließend ca. 140 Meter über teils sehr steiles Gelände ab. Beide mussten mittels Tau („Libelle“ und „Martin 2“) aus der Rinne geborgen werden. Bei dem abgestürzten Urlaubsgast konnte jedoch nur mehr der Tod festgestellt werden (Genickbruch, schweres Thoraxtrauma sowie multiple Extremitätenfrakturen).
- Zusammenstoß mit Paragleiter.
Ein Paragleiter wurde am 5. Jänner 2005 von einer Windböe erfasst und auf eine Schipiste (Zillertal) verweht. Er prallte dabei gegen ein siebenjähriges Kind, das im Schlepplift den Hang hinauffuhr. Beide wurden verletzt.
- Absturz beim Abseilen.
Eine 50-Jährige Kletterin wollte sich am 26.02.2006 vom Columbus Eisfall (Maltatal/Knt.) abseilen, stürzte jedoch die ganze Länge von 50 Metern ab, wobei sie sich tödlich verletzte. Die Kletterin wollte als Letzte abseilen. Der Abseilachter blieb übrig, er war unterhalb des Abseilstandes in das Seil gefädelt.
- Kick.
Ein 31-Jähriger aus Neuberg (Bgld.) raste mit seiner Motocross-Maschine in halsbrecherischem Tempo über die Schipiste in Neuberg und wollte dabei über eine von ihm und seinem Freund errichtete Sprungschanze springen. Er unterschätzte die Steilheit des Hanges und stürzte nach dem Sprung. Er erlitt schwere Verletzungen und musste mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus Güssing geflogen werden.
- Erstickt I.
Ein 7-Jähriger Schüler aus Wien fuhr am 6.02.2005 am Kollmannsegg (Mühlbach am Hochkönig/Salzbg) im Tiefschnee neben der Lifttrasse talwärts. Er kam zu Sturz, schlitterte bergab und stürzte kopfüber zwischen zwei Fichtenbäume. Er konnte sich selbst nicht mehr befreien und erstickte.
- Erstickt II.
Ein 16-Jähriger fuhr mit seinem Freund eine Variantenabfahrt vom Bichlingberg,Tennengebirge talwärts.Während der Abfahrt durch bewaldetes Gebiet verloren sie sich aus den Augen. Während der eine sicher das Tal ereichte, kam sein Freund zu Sturz und blieb in der Folge kopfüber im Tiefschnee zwischen Jungbäumen stecken. Er konnte sich nicht mehr befreien und wurde erst am folgenden Tag durch die Bergrettung tot aufgefunden.
- Spaltensturz I.
Ein 54-Jähriger österreichischer Bergführer fuhr am 18.02.2005 mit einer Schischulgruppe vom Mittelbergjoch über den Taschachferner (Wildspitze/Tirol) talwärts. Beim Überqueren einer Gletscherspalte stürzte der Führer in diese ab und wurde vom nachrutschenden Schnee verschüttet und erstickte.
- Schönheit.
Die 35-Jährige Belgierin fuhr am 10.02.2005 mit dem Übungslift - Seil mit Haltegriffen - Gemeinde Saalfelden/Salzburg bergan. Der hinter ihr fahrende Gatte rief ihr etwas zu, worauf sich die Urlauberin umdrehte. Dabei verfing sich ihr extrem langes Haar (bis zum Gesäß reichend) um das Liftseil. In Panik ließ die Urlauberin das Seil los, worauf sich die Haare so zusammenzogen, dass sie ihren Kopf nicht mehr bewegen konnte. Der Lift wurde abgeschaltet. Der Ehemann schnitt mit einer
Schere das Liftseil (16 mm, 6-fächriges Perlonseil) ab, weil die Haare unter keinen Umständen abgeschnitten werden durften.
- Pistenraupe gerammt.
Walter L. präparierte mit einer kleinen Pistenraupe (2,5m breit und 2.600 kg schwer) am 3.02.2005 die gesperrte Rodelbahn in Oberlech. Bei einer Rückwärtsfahrt (bergauf) überrollte er eine Schifahrerin, die die Rodelbahn
herunterkam und vergeblich versucht hatte, an der Pistenraupe vorbeizukommen. Auf Grund des weichen aufgeschütteten Schnees überlebte die Schifahrerin den Unfall (Bruch der rechten Schulter, Brustkorbprellung, Bauchtrauma, Rissquetschwunden).
- Schlägerei I.
Nach mehreren Einkehrschwüngen gerieten in Westendorf / Tirol zwei holländische Urlaubergruppen aneinander. Fazit: Fünf Personen verletzt, die Einrichtung des Lokals zum Teil zertrümmert. Schöner Urlaub!
- Schlägerei II.
Ein Deutscher verprügelte im Schigebiet Kleinwalsertal (Vorarlberg) vor einem Vierer-Sessellift einen 37-Jährigen Schilehrer aus Dornbirn, weil dieser sich angeblich vorgedrängt hatte (Nase gebrochen).
- Schlägerei III.
Um die Gunst zweier deutscher Urlauberinnen, die sie kurz vorher kennen gelernt hatten, stritten Touristen aus DK und den NL.Vier Verletzte.
- Alkohol I.
Der Schifahrer aus England geriet am 4.03.2005 im alkoholisiertem Zustand (2,23 Promille) über die linke Pistenbegrenzung, sprang dort über eine Geländekante und prallte gegen das Vordach eines Heustadels. Tot.
- Alkohol II.
Ein alkoholisierter 23-Jähriger Schiläufer aus Deutschland wollte in Großarl eine abgesperrte Piste (Windenpräparierung) trotz Absperrung befahren.Als er auch auf Zurufe nicht reagierte, stieß ihn ein Bediensteter der Bergbahn nie-
der, um zu verhindern, dass der Schiläufer in das Stahlseil der Windenraupe fährt.Der Schiläufer stürzte und verletzte sein linkes Knie.
- Schneeblind.
Am 10.03.2005 unternahm der 73-Jährige Münchner vormittags eine Schitour im Gemeindegebiet Inneralpbach Richtung Sonnenjoch. Aufgrund des Schlechtwetters kehrte der Tourengeher um. Beim Abstieg verlor er seinen Rucksack mit dem Handy.Wegen der Schneeblindheit konnte er den Weg ins Tal nicht mehr finden und setzte sich unter eine Schneewechte. Nach drei Tagen (14.03.2005) fand ihn ein anderer Schitourengeher. Er erlitt Erfrierungen 3. Grades an Händen und Füßen.
- Spaltensturz II.
Eine 35-Jährige Slowakin war am Teischnitzkees, Großglockner mit ihrem Mann mit Schneeschuhen unterwegs. Andere Bergsteiger warnten das nicht angeseilte Paar vor der Spaltengefahr. Als sie umkehrten, brach die Frau in eine Spalte ein, fiel 15 – 20 Meter in die Tiefe und blieb kopfüber hängen. Ihr Mann schlug in der Stüdlhütte Alarm, worauf neun Bergretter, Gendarmen und die Besatzung des Hubschraubers Christophorus 7 die Verunfallte bargen. Die Frau blieb unverletzt.
- Absturz am Klettersteig.
Ohne Klettersteigausrüstung und ohne Helm wollte ein 59-Jähriger am 17.04.2005 den Klettersteig am Predigtstuhl durchsteigen. Nach 40 – 50 Meter verlor er den Halt und stürzte aus der Wand. Er erlitt tödliche Verletzungen (Polytrauma, Genickbruch).
- Seilknoten.
Bei einem Kletterkurs mit Jugendlichen am Burenkogel/OÖ hängte die Aufsichtsperson ein zu kurzes Seil ein und vergaß außerdem noch, das Seilende mit einem Knoten zu sichern. Beim Ablassen über den Umlenkpunkt rutschte dem Sichernden (13 Jahre alt) das Seil durch das Sicherungsgerät und der Seilpartner stürzte ca. 4 Meter ab (Prellungen und Abschürfungen).
- Blitz.
Während eines heftigen Gewitters verließ ein 44-Jähriger am 22.05.2005 die Jagdhütte auf der Zisleralm/Wildalpe und wurde dabei von einem Blitz getroffen. Mit Lähmungserscheinungen in den Beinen wurde er mittels Hubschrauber in das Krankenhaus Amstetten geflogen.
- Base Jump.
Der 22-Jährige Wolfgang S. war am 21.05.2005 auf die 1176 Meter hohe Drachenwand/Mondsee geklettert. Nach dem Absprung öffnete sich sein Gleitschirm nicht. Der Base-Jumper schlug am Fuß der 500 Meter hohen Felswand auf und war sofort tot. Der Gleitschirm wurde beschlagnahmt.
- Allein unterwegs.
Am Mittwoch Vormittag, den 11.05.2005, war der 43-Jährige Deutsche Thomas S. allein im Gebiet Bregenzerwald - Sibratsgfäll/Vorarlberg unterwegs. Auf der an sich leichten Tour stürzte er und brach sich den Unterschenkel. Eine
Hundertschaft an Bergrettern suchte ihn. Nach sechs Tagen wurde der Deutsche völlig entkräftet und dehydriert gefunden und in das Krankenhaus Feldkirch geflogen.Der Unterschenkel wurde amputiert.
- Absturz mit Paragleiter I.
Auf der Emberger Alm erfasste am 18.6.2005 3 bis 4 Minuten nach dem Start eine starke Windböe den Gleitschirm eines 47-Jährigen Deutschen. Der Schirm klappte zusammen. Ca. 100 Meter über Grund begann ein unkontrollierter Absturz, Pilot tot.
- Absturz mit Paragleiter II.
Ein 20-Jähriger Flieger übersah am 3.09.2005 im Raum Prägraten a. G. das Drahtseil eines Materialliftes. Die Leinen des Gleitschirms wurden durchtrennt. Der Pilot stürzte ab und erlitt tödliche Kopfverletzungen.
- Helm.
Beim Abziehen des Seils wurde ein ca. 50 kg schwerer Stein gelöst und traf einen 41-Jährigen slowakischen Kletterer am Stand auf der Abseilpiste der Kletterroute Krabbelstube, Gemeinde Pernegg a.d.Mur. Der Verunfallte erlitt dabei einen
Bruch beider Schulterblätter und Serienrippenbrüche.
- Handypeilung.
Ein 71-Jähriger verstieg sich allein am 29.06.2005 im dichten Nebel beim Abstieg vom Gr. Gurpitschek Gemeinde Mauterndorf/Salzburg, und stürzte tödlich ab. Er wurde mittels Handypeilung gefunden.
- Kühe.
Ein Wanderer (65) wurde mit seinem Hund auf der Roaner Alm (Iselsberg/Tirol) von Kühen angegriffen, niedergestoßen und schwer verletzt.
- Teurer Einsatz.
Bei Schneechaos und Minusgraden mussten drei Tschechen auf dem Weg zum Großglockner eine Nacht im Freien verbringen. Sie bauten sich einen Unterstand und schlugen per Handy Alarm. Mühsam kämpften sich die alarmierten Rettungsmannschaften zu dem Trio, nur um die Antwort zu erhalten – „wir benötigen keine Hilfe mehr“. Einer der Tschechen machte sich allein und mit schlechter Ausrüstung im schlimmsten Wetter auf den Weg zum Gipfel. Mehr als 200 Meter
stürzte er in die Tiefe und war sofort tot. Um den Mann zu bergen, waren Hubschrauber, Alpinpolizisten, Bergretter und Hunde im Einsatz. Um den teuren Einsatz nicht zahlen zu müssen, verschwand die Gruppe grußlos.
- Abgestürzt.
Am 01.08.2005 stieg ein 19-Jähriger Deutscher, Teilnehmer einer Jugendgruppe, unter der Absperrung der Aussichtsplattform oberhalb des Schlegeisspeichers hindurch und kletterte einen Felsvorsprung ab. Dabei brach ihm ein Griff
aus. Er stürzte ca. 40 Meter ab und erlitt tödliche Kopfverletzungen.
- Schwammerln.
Ein 76-Jähriger Mann verirrte sich Mitte August 2005 beim Schwammerlsuchen im alpinen Waldgelände (Raum Sonnthofen/Stmk.) und musste eine Nacht im Freien verbringen. Er erlag seiner Unterkühlung – Erschöpfung - unmittelbar nach der Bergung.
- Beim Klettern abgestürzt.
Zwei erfahrene Wiener Bergsteiger [Erich B., 71 und Klaus H., 72] unternahmen auf der Rax am 06.09.2005 eine Klettertour durch die Blechmauer - Gratkamine IV+. Einer der beiden rutschte nach einem Steinschlag aus
und stürzte 70 Meter in das Seil. Beim Versuch, den Freund zu bergen, stürzte auch der zweite Alpinist vor den Augen der Helfer im Rettungshubschrauber in den Tod.
- Klebehaken.
Ein 20-Jähriger Kletterer seilte sich am 29.10.2005 über die Felskletterroute Via Anna in der Mandlwand/Mühlbach/Salzburg mittels Halbseil als Erster ab. Sein 23-jähriger Freund wollte nachkommen und belastete dabei den Klebehaken in Längsrichtung, um seine Selbstsicherung auszuhängen. Dabei zog er den Haken aus dem Bohrloch und stürzte ca. 100 Meter tödlich ab.
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