Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 2004
zusammengestellt von Franz Sladek
- Handy.
Eine 50-jährige Tourengeherin verirrte sich bei der Abfahrt vom Birgitzköpfl/Tirol und kam im Götzner Graben in steiles und unwegsames Gelände. Ein 34-jähriger folgte ihren Schispuren in der irrigen Annahme, dass diese ins Tal führen. Dem war aber nicht so. Beide hatten die Orientierung verloren und kamen in dem schwierigen Gelände nicht mehr weiter. Über den Europäischen Notruf 112 alarmierten sie die Bergrettung. Nach einem Hubschraubersuchflug konnten beide gesichtet, aus dem Gefahrenbereich geborgen und anschließend der Bergrettung übergeben werden.
- Fahrerflucht.
Im Vergleich zu den Vorjahren stieg die Anzahl der Kollisionen auf den Schipisten. Einhergehend kam es auch zu einer Steigerung der Fahrerfluchten. Auch die Bekanntgabe von falschen Daten häufte sich.
- Lawine in Niederösterreich.
Ein 34-jähriger Snowboarder fuhr leichtsinnig im Raum Hochkar/NÖ in einen gesperrten Hang ein und wurde vor den Augen seines Freundes von einem knapp drei Meter hohen Schneebrett erfasst und in die Tiefe gerissen. Mit Verletzungen kam der Mann in ein Krankenhaus.
- Lawinen auf Pisten.
Trotz Sperrzauns und Warnhinweisen war ein 23-jähriger Snowboarder aus Deutschland im Gebiet des Golm/Vorarlberg ins freie Gelände hinaus gefahren. Das von ihm ausgelöste Schneebrett überspülte zwei Schipisten. Drei Stunden lang suchten 80 Helfer nach etwaigen Verschütteten, es kam aber niemand zu Schaden. Der Snowboarder musste für die Einsatzkosten aufkommen.
- Schneeballschlacht.
Ein Schneeball, den ein Urlauber aus den Niederlanden an den Kopf bekam, löste in Saalbach eine Massenschlägerei aus. Ca. 20 Urlauber gingen anfangs nur noch mit den Fäusten aufeinander los, zuletzt wurden Snowboards als Waffen eingesetzt. Einer der Raufbolde erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und wurde mit sechs anderen Beteiligten ins Krankenhaus eingeliefert. Im Spital trafen die beiden Gruppen wieder aufeinander und es begann neuerlich eine Rauferei, bei der sogar eine Ärztin und ein Sanitäter verletzt wurden.
- Wilde Sitten.
Der 46-jährige Bruno H. hatte seine nagelneuen Schier abgeschnallt um mit seiner 36-jährigen Freundin eine Schirmbar zu besuchen. Irrtümlich griff Jürgen K. (56) zu den Brettern und fuhr mit diesen zur Talstation. Bei einer Zwischenstation entdeckte Bruno H. den vermeintlichen Schidieb und stellte ihn zur Rede. Es kam zu einer Rangelei und der 46-jährige Deutsche schlug seinen Widersacher wutentbrannt zu Boden. Auch dessen Freundin (eine nette Dame) beteiligte sich an dem Kampf und trat noch mit den Schischuhen auf den am Boden liegenden ein. Anzeige.
- Rodelabend.
Zwei 21-jährige deutsche Rodler fuhren auf der beleuchteten Rodelbahn (nach einem Einkehrschwung) auf der Gaislachstraße/Tirol talwärts und kamen über den rechten Bahnrand hinaus. Da die beiden nicht im Tal ankamen, wurde von Angehörigen Alarm geschlagen. Nach einer großangelegten Suchaktion wurden beide Rodler von Alpingendarmen und Bergrettungsleuten im unwegsa-
men Gelände aufgefunden und mit schweren Verletzungen – Rippenfrakturen und Schädel-Hirn-Trauma – geborgen.
- Rodelunfall bei Wien.
Ein 13-jähriger Knabe fuhr mit seiner Rodel auf der Perchtoldsdorfer Heide gegen eine 51-jährige Liechtensteinerin. Die Frau kam zu Sturz und erlitt dabei schwere innere Kopfverletzungen, woran sie verstarb.
- Abgesprungen.
Ein 56-jähriger Amerikaner hatte am 20. Februar 2004 den Anschluss an seine Gruppe verloren und sich daraufhin verirrt. Um 16.10 Uhr erreichte er den Lift in Jochberg, aber leider zu spät: die Liftstation war bereits gesperrt, jedoch der Lift war noch in Betrieb. Der US-Staatsbürger missachtete die Sperrkette und setzte sich allein auf einen Liftsessel. Als der Lift nun abgeschaltet wurde, geriet der am Sessel Gefangene in Panik und sprang aus 15 Meter Höhe ab und blieb mit mehreren Knochenbrüche schwer verletzt liegen. Seine Hilferufe wurden auf einer nahen Alm gehört und die Retter brachten den Mann mit einem
Akja zu Tal und weiter ins Spital.
- Seilwindenpräparierung.
Nach Betriebsschluss fuhr ein 40-jähriger deutscher Urlauber mit seinen Schiern talwärts. Ein Angehöriger der Liftbetreiber war zwischenzeitlich mit Pistenpräparierungsarbeiten beschäftigt und hatte sein Pistengerät an einem Windenseil angehängt. Dieses Stahlseil verlief ungesichert über die Piste. Der Schifahrer prallte gegen das Seil und wurde verletzt.
- Wechtenbruch.
Zwei Schitourengeher unternahmen eine Schitour auf den Klippern/Vorarlberg. Ca. 250 Meter unterhalb des Gipfels ging einem die Bindung auf. Er setzte seinen Gipfelsturm zu Fuß weiter fort. Nachdem er einige Meter aufgestiegen war, brach unter ihm eine Schneewechte ab und riss ihn in die Tiefe. Er fiel im freien Fall ca. 70 – 80 Meter hinab und in weiterer Folge noch ca. 250 – 300 Meter über steiles schneebedecktes Gelände, wo er tot liegen blieb.
- Pistenrand I.
Eine 24-jährige deutsche Polizeibeamtin wurde am 17.3.2004 im Schigebiet Hochficht von zwei Schifahrern abseits der Piste zwischen mehreren Bäumen liegend und nicht ansprechbar aufgefunden. Trotz intensiven Reanimations-Bemühungen der Ersthelfer verstarb die Frau noch an der Unfallstelle an den Folgen der erlittenen schweren Kopfverletzungen. Die Frau dürfte aufgrund eines Fahrfehlers ohne Fremdverschulden von der Piste abgekommen und mit den Kopf gegen einen Baum geprallt sein.
- Pistenrand II.
Am 13. März 2004 erschlug ein Ast auf der Zwölferkogel-Abfahrt in Saalbach-Hinterglemm eine 50-jährige deutsche Schifahrerin. Über Nacht war eine Schneekanone im Betrieb und blies den erzeugten Schnee nicht nur auf die Piste, sondern auch in den Wald. Dadurch wurden Zweige und Äste mit einer dicken Schneeschicht überzogen. Der kräftige Sonnenschein ließ den angewehten Schnee auf den Bäumen immer schwerer werden, so dass ein starker Ast unter der Last abbrach und die gerade vorbeifahrende Schiläuferin am Kopf traf. Für die Frau kam jede Hilde zu spät.
- Gletscherspalte I.
Ein Schitourengeher (30) stürzte am 28. März 2004 im Gletscherbruch des Sulzenauferners/Tirol abseits der üblichen Route ca. 17 Meter tief in eine Gletscherspalte. Er konnte mit dem Hubschrauber unverletzt geborgen werden.
- Pistenkuppe.
Die 15-jährige Daniela aus der BRD fuhr am 21.3.2004 auf der Karhornpiste/Vorarlberg hinter einer Geländekuppe ihrem Opa talwärts nach. Ein 42-jähriger Urlauber – ebenfalls aus Deutschland – war mit seinen Carving-Schiern
zu schnell über die Kuppe unterwegs, konnte nicht mehr bremsen als er das Kind bemerkte und prallte mit voller Wucht gegen das Mädchen. Beide stürzten noch 40 Meter über die steile Piste hinab. Das Mädchen, das schwere Kopfverletzungen erlitten hatte, war auf der Stelle tot.
- Freier Schiraum.
Ein 42-jähriger ungarischer Staatsbürger verließ am 11. April 2004 trotz starken Nebels den gesicherten Schiraum in Tux/Tirol. Er stürzte rund 60 Meter über felsiges Gelände ab. Dabei erlitt er tödliche Verletzungen.
- Eislawine.
Ein 53-Jähriger hatte bei der Abfahrt vom Sonnblick am 20. Mai 2004 mit seinen Schiern in eine Drahtschlinge eingefädelt und dabei so unglücklich gestürzt, dass er weder vor noch zurück konnte. Andere Tourengeher hatte den Unfall bemerkt und die Bergrettung verständigt. Bevor der Verunglückte mittels Seil vom Hubschrauber geborgen werden konnte, löste sich oberhalb von einem Eiswasserfall eine große Lawine. Zwei Bergretter, Toni Rasser und Wolfgang Rohrmoser, schützten mit ihrem eigenen Körper den Patienten. Dabei erlitt Rohrmoser mehrere Wirbelbrüche und Rasser kam mit Prellungen davon. Dem Notarzt Dr. Winfried Kuenz zertrümmerte ein riesiger Eisbrocken die linke Hand. Ein zweites Rettungsteam barg die Verletzten und diese wurden ins Krankenhaus Schwarzach geflogen.
- Schmelzverbrennung Seil auf Seil.
Ein 31-jähriger Kletterer kletterte im Klettergarten Karres (Rote Wand) eine Route 6+ und lenkte das Seil über eine Reepschnurschlaufe am Standplatz um und seilte sich daran ab. Anschließend kletterte sein Partner (15) hoch (ohne Helm) und wollte sich nach ca. 15 Meter abseilen. Infolge Schmelzverbrennung kam es zum Riss der Reepschnur an der Umlenkung und der Jugendliche stürzte aus ca. 10 Meter Höhe ab. Bei dem Unfall erlitt er eine Schädelverletzung und Prellungen.
- Selbstsicherung.
Ein 45-jähriger Kletterer unterließ es, sich beim Abseilen in der Waidringer Steinplatte/Tirol am Stand zu sichern. Bei der anschließenden Seilhandhabung stürzte er ca 170 Meter über die Wand ab und verstarb.
- Schneefeldquerung.
Am 10. Juni 2004 wollte ein 53-jähriger deutscher Urlaubsgast ein ca. 38° steiles Schneefeld im Raum Lermoos queren, rutschte dabei aus und stürzte in der Folge 150 Meter über felsdurchsetztes Gelände ab, wobei er tödliche Verletzungen erlitt (offener Schädeltrümmerbruch). Er trug gute Bergschuhe, jedoch keine Steigeisen.
- Aggressives Weidevieh.
Mit Regenschirm und Fäusten versuchte ein deutscher Urlauber im Juni 2004 auf einer Alm bei Hirschegg in Vorarlberg die Attacke eines wütenden 500-Kilo-Bullen abzuwehren. Jedoch der Stier, der zuvor auf zwei Frauen losgegangen war, schleuderte den Wanderer durch die Luft und verletzte ihn schwer.
- Hundsvieh.
Auf dem Bödele/Vorarlberg ging eine Frau mit ihrer Bulldogge und einem Basset spazieren. Plötzlich attackierten die beiden Hunde vier Kühe auf der Weide und verbissen sich in sie. Ein Tier wurde dabei so schwer verletzt, dass es
notgeschlachtet werden musste.
- Tapfere Sabrina.
Auf dem Weg vom Franzosenkreuz zur Gstemmerspitze/Stmk. rutschte Günter E. beim Umgehen eines Felszackens auf dem nassen Grasboden aus. Christian G. versuchte seinen Freund aufzuhalten und kam dabei selbst ins Rutschen. Schlussendlich stürzten beiden ca. 200 Meter tief in den Tod. Die 6-jährige Sabrina wollte für ihren Papa Hilfe holen und setzte ihren Weg bergabwärts fort. Sie musste ca. 400 Höhenmeter marschieren, bis sie nach ca. 3 Stunden auf der Planneralm - wohl mit Prellungen, Hautabschürfungen und zerrissener Kleidung - eintraf. Bei einem Suchflug wurden die beiden Abgestürzten in einer Rinne aufgefunden. Die tapfere Sabrina wurde ins Spital nach Schladming gebracht und dort psychologisch betreut.
- Teures Gelage.
Am 31. Juli 2004 brach N.N. zu einer Tour über den Bettlersteig zur Baumeralm/Steinberg auf. Nachdem er nicht am angegebenen Ziel ankam, wurde von den Eltern bei der Bergrettung Kufstein die Abgängigkeit gemeldet. N.N. hatte sein Ziel kurzfristig geändert und sich einem Trinkgelage bei Mädchen auf der Frey-Hütte hingegeben.
- Luftiger Crash.
Am 5. August 2004 stießen über der Leisteralm im Ennstal ein Hubschrauber und ein Drachenflieger zusammen. Günter T. (43) konnte sich gerade noch mit seinem Fallschirm retten. Der gerammte Hubschrauber landete leicht beschädigt.
- Tandem-Drachenflug.
Im Tiroler Wipptal stürzten am 8. September 2004 zwei Männer in den Tod. Gleich beim Start erfasste der Wind das Fluggerät, drückte eine Tragfläche zu Boden. Daraufhin streifte der Drachen einen Felsen und stürzte 150 Meter in die Tiefe.
- Paragleiter.
Am Paragleitplatz „Elfer“ dürfte P. beim Schirmaufbau auf der rechten Seite die Leinen seines Paragleiters nicht sorgfältig genug ausgelegt haben, so dass sich beim Startvorgang die Leinen verhedderten und der Schirm unmanövrierbar wurde. Dadurch stürzte P. aus einer Höhe von 10 Metern ab und zog sich eine Knöchelfraktur rechts zu.
- Felssturz.
Die 26-jährige deutsche Urlauberin ging am 9. August 2004 mit Freunden von der Neuen Regensburger Hütte zur Dresdnerhütte.Vor dem Übergang „Grawagrubennieder“ brach ein großer Felsbrocken von der oberhalb liegenden Feldwand ab und traf die Urlauberin, worauf diese ca. 100 Meter über steiles Felsgelände abstürzte und dabei letale Verletzungen erlitt.
- Felssturz II.
Elsbeth G. (55), eine Bergsteigerin aus Deutschland wollte mit ihrem Lebensgefährten von der Edmund-Graf-Hütte/Bez. Landeck zum Hohen Riffler aufsteigen. Auf einer Höhe von 2800 Meter lösten sich tonnenschwere Gesteinsmassen von einem großen Felsabbruch. Während sich der Mann noch hinter einem Steinblock in Sicherheit bringen konnte, wurde die Frau von den Felsen ca. 150 Meter in die Tiefe gerissen und erschlagen.
- Gletscherspalte II.
Am 18. August 2004 ging ein 48-jähriger Urlauber allein und abseits des gesicherten Weges von der Dachsteinwarte Richtung Simony-Hütte. 200 Meter westlich der Warte stürzte er in eine Gletscherspalte. Obwohl der Unfall von anderen Berggehern beobachtet wurde und der Verunfallte nach einer ½ Stunde geborgen werden konnte, waren alle Reanimationsversuche erfolglos. Der Abgestürzte war nur ca. 2 Meter tief gefallen, aber an einer „Eisnase“ mit seinem Brustkorb stecken geblieben, dadurch konnte er nicht mehr atmen und musste qualvoll ersticken.
- Wegabschneider I.
Ein 67-jähriger deutscher Urlauber stieg mit seinen Bekannten vom Gipfel des Hocharn ab. Unterhalb der Goldzechscharte versuchte er direkt zum Zirmsee abzusteigen. Dabei musste er zwei Schneefelder absteigen und kam dadurch in immer steileres Gelände. Nun wollte er den Weg suchen, rutschte auf einem Felsen aus und stürzte in der Folge ca. 40 Meter über eine Felswand ab, wobei er tödliche Verletzungen erlitt.
- Wegabschneider II.
Eine 23-jährige deutsche Urlauberin wollte einen Abschneider zu ihrem Urlaubsquartier – Krumbach/Vorarlberg – nehmen, stürzte dabei über eine ca. 2 Meter hohe Mauer und fiel in das Bachbett der Bolgenache. Vermutlich bewusstlos ertrank sie im knietiefen Wasser.
- Blitz.
Ein Ehepaar (33 und 25) ging am 4. September 2004 über eine Wiese im Gebiet des Großen Solsteins, als in unmittelbarer Nähe ein Blitz einschlug. Sie erlitten dadurch Herzbeschwerden und kurzzeitige Lähmungserscheinungen. Es gelang ihnen jedoch noch selbständig das Solsteinhaus zu erreichen, von wo sie mittels Hubschrauber ins Krankenhaus Hall geflogen wurden.
- Teleskopstöcke.
Während eines Abstiegs nach Zirl stützte sich die 38-jährige Wanderin auf ihre Teleskopstecken. Dabei dürften sich die Stecken zusammengeschoben haben und die Urlauberin stürzte anschließend in eine steile Felsrinne (ca. 120 Meter), wobei sie sich schwere Verletzungen zuzog (schweres Schädel-Hirn-Trauma, offene Fraktur rechter Oberschenkel).
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