österreichisches kuratorium für alpine sicherheit

Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 2002

zusammengestellt von Franz Sladek

  • Handy.
    Ein Schifahrer (40) war auf dem Frauenkogel/Salzburg in 2.100 Meter  Höhe unterwegs, als sich
    ein Schneebrett löste und den Tourengeher in die Tiefe riss und verschüttete. Er hatte Glück: Eine Frau sah diesen Unfall und verständigte mittels Handy die Einsatzkräfte, die den Schifahrer Minuten später entdeckten und ihn bergen konnten.
  • Verstiegen.
    Völlige Unerfahrenheit und unzureichende Ausrüstung führten wieder einmal zu einem planmäßigen Einsatz der Bergrettung und der Gendarmerie. Ein Alpinwanderer wollte auf der Rax/NÖ den Königschusswandsteig (II – III) oder gar den Mahlersteig  (III) begehen, verstieg sich jedoch schon beim Einstieg. Ca. 50 Höhenmeter über den Wandfuß konnte der „Extremsportler“ nicht mehr weiter und verständigte über sein Handy die Bergrettung.
  • Durchbohrt.
    Beim Aufstieg mit seinen Kurzschiern verlor ein 40-jähriger den Teller eines Schistockes. Bei der Abfahrt kam er aus unerklärlichen Gründen zu Sturz und durchbohrte mit dem tellerlosen Schistock seinen rechten Oberschenkel. Trotz dieser schweren Verletzung [der Stock steckte noch im Oberschenkel] stieg der Schifahrer zu seinem Auto ab und ve
    rständigte mittels Handy die Rettung.
  • Anseilfehler.
    Auf einer künstlichen Kletterwand stieg der 45-jährige B. vor und erklärte Anwesenden den richtigen Gebrauch des Seiles. Bei einem neuerlichen Aufstieg band sich B. mittels gefädeltem Achterknoten in seinen Hüftgurt ein. Er vergaß jedoch den Knoten fertig zu fädeln. Als er sich zum Abseilen in das Seil setzte, wurde der halbfertig geknüpfte „Achterknoten“ (Brezel) aus den Sitzgurtschlaufen gezogen und B. stürzte aus einer Höhe von ca. 5 Meter auf den darunterstehenden A. ab.
  • Absprung.
    Ein 20-jähriger deutscher Urlaubsgast wollte am 2.3.2002 mit der Dreiersesselbahn – Zwerenalplift – mit seinem Snowboard bergwärts fahren. Unmittelbar nach dem Einstieg sah er seinen Freund unter dem Lift durchfahren. Da er zu ihm wollte, sprang er aus einer Höhe von ca. 3 Meter mit seinem Snowboard auf die Schipiste. Bei diesem Sprung brach er sich den rechten Knöchel.
  • Absturz.
    Ein Kletterer (27) erreichte seinen Standplatz und gab seinem sichernden Partner das Seilkommando „Stand“, worauf dieser die HMS-Sicherung löste. Der am Standplatz befindliche nahm jedoch an, dass ihm sein Partner Ablassen würde und belastete das Seil mit seinem Gewicht. Da jedoch keine Sicherung mehr vorhanden war, stürzte der Kletterer ohne Bremswirkung 35 Meter über die Felswand, schlug am Wandfuß auf und stürzte in weiterer Folge ca. 30 Meter in steiles Waldgelände. Er erlitt bei diesem Unfall schwere Verletzungen.
  • Eisklettern.
    Ein Alpinist aus Niederösterreich wollte mit seinem Freund in Tirol die vereisten „Anton-Renk-Wasserfälle“ durchsteigen. In einer Höhe von ca. 40 Meter löste sich ein dicker Eiszapfen und sauste auf den Seilersten herab. Der Eisbrocken traf ihn mit voller Wucht am Schutzhelm – der ihm das Leben rettete. Sein Freund seilte ihn ab und der Verunglückte wurde mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus nach Zams geflogen.
  • Ausrüstung fehlt.
    Völlig unzureichend ausgerüstet und auch unerfahren stieg ein Pärchen (26 u. 30)
    am 7.4.2002 über den Hernlersteig auf den Traunstein/OÖ auf. Ca. 4o Meter unterhalb des Ausstiegs zur Gmundner Hütte konnten sie ein steiles vereistes Schneefeld nicht queren und wagten sich weder vor
    noch zurück. Beide wurden von Bergrettern mittels Seil gesichert, geborgen und anschließend mit dem Hubschrauber ins Tal gebracht.
  • Abseilen.
    Da beim Abseilen kein Knoten am Ende des Seils angebracht wurde, rutschte das Kletterseil durch die Abseilvorrichtung und der Abzuseilende (40) stürzte ca. 10 – 15 Meter zu Boden. Er erlitt schwere Verletzungen.
  • Steinschlag.
    Auf der Zugspitze unternahm ein 34-jähriger eine Klettertour (IV). Der Vorsteigende löste mit seinem nachziehenden Seil einen Steinschlag aus, wodurch ein doppelfaustgroßer Stein dem Nachsteigenden am Helm traf und diesen durchschlug. Der Helm verhinderte Schlimmeres. Die Verletzungen waren trotzdem noch sehr schwer.
  • Karabiner.
    Der Pilot eines Hängegleiters (27) vergaß am 18.6.2002 den Karabiner des Gurtzeuges mit dem Fluggerät zu verbinden. Als er bemerkte, dass sich der Hängegleiter von seinen Schultern abhob, ließ er das Trapez los. Er konnte aber vor einem steilen Abhang nicht mehr rechtzeitig stehen bleiben und stürze ca. 80 Meter tief ab. Der Hängegleiter flog führerlos noch ca. 100 Meter  und stürzte dann im steilen Gelände ab.
  • Pilzesammeln.
    Gefährlicher Zwischenfall beim ansonsten harmlosen Schwammerlsuchen. Beim Pilzesammeln ging ein Ehepaar in Dünserberg/Vorarlberg vom Wald auf eine eingezäunte Weide, wo Mutterkühe grasten. Plötzlich stürzte sich die Herde auf die beiden Wanderer, überrannten die Frau und stießen sie zu Boden und verletzten sie schwer. Mit Stockschlägen gelang es dem Gatten die Kühe von seiner Frau wegzudrängen und diese in Sicherheit zu bringen. Mit dem Notarzthubschrauber musste sie ins Krankenhaus gebracht werden.
  • Aufgeklärt.
    Nach 63 Jahren konnte jetzt in OÖ ein Bergdrama endgültig geklärt werden. Ende Juli 2002 wurde am Fuß der Spitzmauer-Nordwand ein Skelett gefunden. Anhand der bei dem Toten gefundenen Kletterausrüstung konnte festgestellt werden, dass es sich um den seinerzeit vermißten 19-jährigen Josef Schatzl aus Steyr handelt.
  • Gletscherspalte.
    Leichtsinn ist die Ursache vieler Spaltenstürze in den Sommerschigebieten. Wieder einmal hat ein Schifahrer das gesicherte Gelände auf dem Tuxer-Gletscher verlassen und in eine Gletscherspalte gefallen. Ein anderer Schifahrer bemerkte den Vorfall und verständigte die Retter. Obwohl der Bayer (30) geortet und schnell geborgen werden konnte, war er schon tot. Er dürfte vermutlich erstickt sein.
  • Nacht- und Nebelaktion.
    Ein 18-jähriger Schüler hatte bei Nacht und Nebel heimlich einen Sitzgurt von Bauarbeitern der Muttersbergbahn genommen und war damit zur nächsten Liftstütze aufgestiegen. Dann kletterte der Schüler auf den Stahlträger und hängte seinen Surfer-Gurt am Liftseil fest. Er gab an, den Rausch der Geschwindigkeit beim herabsurfen erleben zu wollen. Nach einigen Metern verhängte sich der Gurt in den Rollen des Gondelliftes und der Jugendliche pendelte hilflos in sieben Meter Höhe hin und her. Weil das Seil eine zu starke Neigung hatte, konnte er weder vor noch zurück. Nach zwei Stunden hörten Anrainer seine Hilferufe und die Bergrettung befreite den Surfer aus seiner misslichen Lage. Die Kosten des Rettungseinsatzes in der Höhe von 500.- Euro musste der Wagemutige selbst bezahlen.
  • Schneebrett.
    Trotz Warnung durch einen Alpingendarmen und Bergretter wollte ein tschechischer Student im Schneetreieben mit zwei Freunden von Heiligenblut hochsteigen. 100 Meter vor dem Etappenziel löste sich ein Schneebrett und riss zwei der Berggeher 500 Meter in die Tiefe. Einer der beiden konnte sich selbst befreien, während für den 27-jährigen jede Hilfe zu spät kam. 37 Bergretter und Alpingendarmen mussten wegen des Leichtsinns der Tschechen ausrücken und ihr eigenes Leben riskieren.