Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 2001
zusammengestellt von Franz Sladek
- Pistenunfall.
Eine dreiköpfige Gruppe von Schifahrern fuhr am 19.1.2001, 17.30h, im Raum Mayrhofen nach Betriebsschluß der Bergbahnen auf der Piste talwärts. Die beiden Vorausfahrenden prallten gegen ein Stahlseil, das zur Sicherung eines Ratracs diente, der die Piste zum Unfallzeitpunkt präparierte.
- Tiefschnee.
Eine 25-jährige Schifahrerin aus Großbritannien fuhr auf der Abfahrt Nr. 40 von Hochsöll ins Tal. Sie verkantete und fuhr anschließend von der präparierten Piste querfeldein ca. 40 Meter durch den Tiefschnee direkt auf das in den Hang eingebaute Dach einer Garage eines Bauernhofes. Sie fuhr über das Dach und fiel anschließend auf den Asphalt der dortigen Zufahrtsstraße.
- Plastikrodel.
Vier Mädchen (6,9,9,12 Jahre alt) rutschten um 17.15h, mit einer aufblasbaren Plastikrodel die Liftspur eines Übungsliftes in Untertauern bergab. Im Bereich der Einstiegsstelle konnten sie ihr Gefährt nicht mehr bremsen und prallten gegen eine Holzplanke. Alle drei wurden schwer verletzt während eine 9-jährige einen Genickbruch erlitt und noch an der Unfallstelle verstarb.
- Big Foot.
Ein 24-jähriger deutscher Urlaubsgast fuhr mit sogenannten "Big Foot" vom Grießenkareck (Piste 33) Richtung Mittelstation zu Tal, konnte jedoch einer bergwärts fahrenden Pistenwalze nicht mehr ausweichen und prallte mit voller Wucht gegen das Schubschild der Walze. Er erlitt so schwere innere Verletzungen, so daß er an denen verstarb.
- Zusammenprall.
Zwei Paragleiter starteten vom Bruckerberg zu einem Flug nach Bruck am Ziller. Wenige Minuten später startete ein Hängegleiter vom selben Platz aus in der gleichen Richtung. Nach kurzer Flugzeit kollidierten beide Fluggeräte in der Luft und beide Piloten mußten mittels Notfallschirm im Auingerwald notlanden. Während einer der beiden Bruchpiloten aus 9 Meter Höhe selbst absteigen konnte, mußte der zweite aus 20 Meter Höhe von der Bergrettung geborgen werden.
- Eisklettern.
Am 11.2.2001 wollten zwei Kletterer den Eisgarten Pinnistal - Neustift/Stubaital durchsteigen. Beim setzen des rechten Eisgerätes im Bereich des Ansatzes eines frei hängenden Eiszapfens brach dieser völlig ab und der 38-jährige Kletterer [ausgerüstet mit Kletterhelm, Sitz- und Brustgurt und auch angeseilt] stürzte ca. 20 Meter bis zum Wandfuß ab. Der am Boden sichernde blieb bei diesem Unfall unverletzt. Der Abgestürzte erlitt einen Trümmerbruch des linken Unterarms. Hier bleibt nur die Frage offen, wo war die Zwischensicherung?
- Seilbefestigung.
Der 28-jährige X.Y. stieg am 4.5.2001 im Klettergarten Pürgg (Gelber Kamin) bis in eine Höhe von 4 Meter auf. Das mitgeführte Seil wurde von dem Kletterer nur lose in den Hüftgurt gesteckt. Beim Vorzeigen einer Abseilübung, vergaß er das Kletterseil ordentlich am Gurt zu fixieren und er stürzte rücklings ab. Von zufällig anwesenden Alpingendarmen wurde er erstversorgt und mit dem Hubschrauber geborgen. Bei dieser Aktion erlitt der "Lehrer" Rißquetschwunden am Kopf und eine Stauchung der Wirbelsäule.
- Weidekühe.
Eine Wanderin (58 Jahre alt) wurde auf der Bärleiten (Gem. Flattach/Knt) von mehreren Weidekühen überrannt, wodurch sie eine steile Almwiese hinunterkollerte und einen Trümmerbruch der Schulter und Rippenprellungen erlitt.
- Abseits.
Ein 58-jähriger deutscher Urlaubsgast verließ den markierten Weg vom Habicht herab und wollte über ein ca. 40 Grad steiles Schneefeld abrutschen. Dabei stürzte er ab und erlitt eine tödliche Schädelzertrümmerung.
- Stromleitung.
Ein Hängegleiterpilot übersah beim Landeanflug auf das Fliegercamp in Greifenburg/Knt. die 110 KV-Stromleitung und berührte diese mit seinem Fluggerät. Dadurch kam es zu einem Kurzschluß und das Fluggerät fing Feuer. Der Pilot stürzte mit seinem brennenden Gleiter in ein Getreidefeld, daß ebenfalls sofort brannte. Der Flieger wurde bei diesem Unfall schwer verletzt und in das Krankenhaus geflogen.
- Mißliche Lage.
Mittels Abseilachter und Selbstsicherung (Prusik) wollte ein Kletterer im Klettergarten Hollenstein/NÖ sich am Doppelseil abseilen. Nach ca. 25 Meter Abseilfahrt verklemmte sich der Prusikknoten derart am Seil, so daß der Kletterer nicht mehr in der Lage war, diesen zu lösen. In der Folge kippte er, der nur einen Sitzgurt verwendete, nach rückwärts und konnte sich nicht mehr aufrichten. Er mußte von der Bergrettung aus seiner mißlichen Lage geborgen werden. Der 30-jährige erlitt eine Gehirnerschütterung, eine verminderte Sauerstoffsättigung des Blutes, sowie Erschöpfungszustände. Siehe auch den Artikel im Jahrbuch 1999, Seite 41 ff, "Anseilen - Ist der Brustgurt passe´".
- Absturz.
Die Fam. SCH., Egon (56), Waltraud (51) und Sohn Martin (13) stiegen am 7.8.2001 auf das Türtschorn /Fontanella auf. Anschließend wollten sie den Verbindungsgrat zum Glatthorn queren. Nach einem Drittel des Weges wollten sie den schroffen und steilen Grat auf der Westseite umgehen bzw. Richtung Hintere Türtschalm absteigen. Dabei glitten alle drei im über 450 steilen Grashang aus und stürzten 150 m über felsdurchsetztes Gelände ab. Martin konnte über das Mobiltelefon seines Vaters seine Rettung in die Wege leiten. Beide Elternteile verstarben jedoch an den Folgen des Absturzes neben ihrem Sohn.
- Verstiegen.
Zwei Kletterer hatten sich bei der Besteigung des Grimming über den Südgrat (III) verstiegen und wollten sich nach ca. 25 m wieder zum Wandfuß abseilen. Einer der Beiden hatte seinen Seilring mit einem Weberknoten abgesichert, der sich jedoch bei der Belastung löste, worauf der Kletterer abstürzte und mittelschwere Verletzungen erlitt.
- Leichtsinn.
Am 26. August 2001 wollte ein 37-jähriger mit seiner in der Kindertrage mitgeführten drei Monate alten Tochter über den Duettkamin/Peilstein (III) auf den Peilstein klettern. In etwa 40 Meter Höhe konnte er nicht mehr weiter und mußte von der Bergrettung geborgen werden. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.
- Schneesturm.
Christian B. (41) stieg am 8. September 2001 zum Prielschutzhaus auf und ging weiter zur Brotfallscharte > Fleischbanksattel. Dort zwangen ihn Sturm und 50 Zentimeter Neuschnee zum Umdrehen. Um das Unwetter abzuwarten, wollte B. zu einer Höhle bei der Brotfallscharte. Doch völlig durchnäßt und erschöpft brach er knapp 50 Meter vor dem rettenden Unterstand zusammen und verstarb an Erschöpfung und Unterkühlung. Ironie des Schicksals: warme und trockene Kleidung wären im Rucksack gewesen.
- Bergstollenerkundung.
Eine Gruppe deutscher Urlauber 37 - 41 Jahre alt mit zwei 8-jährigen Kindern stiegen ohne Beleuchtungsgerät in den Cellonstollen ein. In der Hälfte des Tunnels gerieten die Kinder und einige Gruppenmitglieder wegen der Dunkelheit und mangelnder Sicherung in Panik und konnten nicht mehr weiter. Sie mußten von der Bergrettung geborgen werden.
- Mangelnde Ausrüstung.
X.Y. wollte am 13. Oktober 2001 den nordseitigen Klettersteig auf die Zugspitze ohne entsprechende Ausrüstung und mit unzureichendem Schuhwerk begehen. Dabei rutschte er auf dem teilweise schneebedeckten und vereisten Steig aus und stürzte ca. 150 m ab. Die dort angebrachten Stahlseilversicherungen waren bereits an verschiedenen Stellen eingeschneit und unter dem Schnee begraben.
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