österreichisches kuratorium für alpine sicherheit

Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 2000

zusammengestellt von Franz Sladek

  • Rodelunfall.
    Zwei Wintersportler (17 und 20 Jahre) fuhren mit ihrer Doppelsitzerrodel auf der für den Rodelbetrieb gesperrten Schiabfahrt in Hochimst. Sie verloren die Herrschaft über ihr Gefährt und kamen mit hoher Geschwindigkeit über den Pistenrand hinaus und prallten gegen einen Baum. Beide erlitten tödliche Verletzungen.
  • Unfallflucht.
    Zwischen zwei Wintersportbetreibenden - hier ist jede Aktivität auf der Piste, Variante, Tour,.... einzusetzen - kam es auf der Piste, Variante, Tour, ..... zur Kollision.  Einer der beiden Kontrahenten wurde verletzt und der zweite setzte seine Fahrt ohne anzuhalten und Hilfe zu leisten weiter. Diese Art von Unfall ist zahlenmäßig kaum mehr zu erfassen. Spielt sich aber täglich hundertmal auf österr. Schipisten ab.
  • Kantensprung.
    Auch der Sprung über Geländekanten führt immer wieder zu schweren Unfällen, teils durch den eigenen Sturz, teils durch Anprall oder Kollision mit anderen Pistenbenützern, die sich unterhalb der Kuppe aufhalten. Wann wird sich das endlich in die Gehirne der Fahrer einprägen, daß der Aufenthalt unter einer Kuppe sehr gefährlich ist. Hoffentlich bald?
  • Snowboard.
    Ein 16-jähriger Snowboarder fuhr mit seinem Board abseits der Piste im freien Gelände talwärts. Er kam  in schweres Gelände und wollte umkehren, dabei verlor er sein Snowboard. Bei dem Versuch dieses zu bergen, stürzte er ca. 40 Meter über ein ca. 45 Grad steiles mit Felsen durchsetztes Gelände ab und erlitt schwere Verletzungen.
  • Rutschfahrt.
    Eine 22-köpfige Pfadfindergruppe unternahm eine Wanderung im Raum Außervillgraten.Nach ca. 3,5 Stunden wollten die großteils 14 - 15- jährigen Pfadfinder nicht mehr weitergehen. Um ihren Rückweg abzukürzen, rutschten ein Großteil der Kinder unter Aufsicht ihres 24-jährigen Führers über einen etwa 35 Grad steilen, nicht einsehbaren mit Schnee bedeckten Hang talwärts. Der Hang endete in einer nahezu senkrechten Böschung und die Kinder stürzten ca. 3 Meter tief auf eine darunter vorbeiführende, asphaltierte Straße. Einige der Kinder erlitten schwere Verletzungen.
  • Tragische Verstrickung.
    Ein 37-jähriger Kletterer befand sich in der 4. Seillänge in der Martinswand/Tirol  (Schwierigkeitsgrad VI) als  unter seinem linken Fuß der Tritt ausbrach. Dadurch wurden mehrere kindskopfgroße Steine gelöst, die ca. 100m in die Tiefe stürzten. Unterhalb des Kletterers bereitete sich der 27-jährige XY zum Einstieg in die Route vor. Er trug noch keinen Helm und wurde von einem der herabfallenden Steinen am Kopf tödlich getroffen (Genickbruch).
  • Mißglückter Start.
    Weil sie die Leinen ihres Paragleitschirmes nicht sorgfältig genug überprüfte, verhängte sich eine der Leinen beim Startversuch (Wildschönau). Dadurch wurde das Fluggerät manövrierunfähig. In der Folge drehte der Schirm nach rechts zum Hang und die Fliegerin stürzte nach nur wenigen Metern Flug auf den Almboden. Sie erlitt eine Schienbeintrümmerfraktur.
  • Absturz.
    Der 38-jährige Expeditionsbergsteiger und Bergführer Günther H. stieg am 19.6.2000 von seinem Hausberg "Rofele Wand" durch felsiges Gelände am Rand der Eisrinne ab. Er wollte im oberen Drittel die ca. 45 Grad steile Eisrinne queren, rutschte dabei aus und stürzte rund 250 Meter über felsiges Gelände ab. Er erlitt dabei eine tödliche Schädelfraktur. Ironie des Schicksals: die Steigeisen waren noch im Rucksack und das Pickel noch außen befestigt.
  • Ausgerutscht.
    Im Gemeindegebiet Neustift/Stubaital wollte der 21-jährige deutsche Urlauber Anton W. Edelweis suchen. Auf dem nassen und felsigen Gelände rutsche er jedoch aus und stürzte ca. 100 Meter ab. Er erlitt tödliche Verletzungen.
  • Blitzschlag.
    Horror-Erlebnis für eine polnische Familie. Während einer Wanderung im Raum Damüls wurden sie von einem schweren Gewitter überrascht. Ein Blitz schlug ein und traf den 12-jährigen Sohn, der bewußtlos zusammenbrach. Diagnose: Herzstillstand. Aber der Vater ist Arzt und konnte daher  seinen Sohn optimal versorgen. Bis zum Eintreffen des Rettungs-hubschraubers war der Bub bereits wieder reanimiert. Er wurde ins Krankenhaus Feldkirch geflogen wo er sich von dem Schock erholte.
  • Gewitter.
    Eine 10-köpfige Wandergruppe stieg gegen 12.30h  von der östl. Ödkar-spitze/Karwendelgebirge zum Schlauchkarsattel ab (teilweise Stahlseilversicherung) als sie von einem heftigen Gewitter überrascht wurden. Dabei dürfte  der Blitz in die Stahlseilversicherung eingeschlagen haben. Zwei Teilnehmer der Wandergruppe erlitten tödliche Verletzungen (Herzstillstand), während die Anderen mit schweren bzw. leichten Verletzungen davonkamen.
  • Wespenstich.
    Die 31-jährige ukrainische Staatsbürgerin Marina R. befand sich am 22.7.2000 beim  Abstieg vom Schober, als sie von einem Insekt (vermutlich Wespe) gestochen wurde. R. reagierte allergisch und bekam Probleme, weshalb das Rote Kreuz verständigt wurde. R. wurde am Gipfel vom Rettungshubschrauber "Martin" direkt - schwebend - aufgenommen und ins Tal zur ärztlichen Behandlung geflogen.
  • Canyoning.
    Am Montagnachmittag den 11.9.2000 wollte ein 30-jähriger Alpinist aus Sölden und ein 31-jähriger Australier  die äußerst schwierige Canyoning-Tour entlang des Pollesbaches/Huben wagen. Da die beiden Abenteurer nicht am vereinbarten Treffpunkt auftauchten, wurde die Bergrettung alarmiert. Den Rettungsmännern bot sich ein schreckliches Bild: ein Toter hing im gespannten Seil, sein Kamerad lag leblos in einem Wassertümpel. Wie es zu dem Unglück kommen konnte, steht noch nicht fest.