Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 1999
zusammengestellt von Franz Sladek
- Pistenraupenunglück.
Ein schreckliches Unglück ereignete sich am 5.1.1999 in der Schiregion Dachstein West. Wegen eines Ausfalles der 4er-Sesselbahn "Aussichtsberg" setzten die Liftbetreiber eine zum Personentransport nicht zugelassene Pistenraupe ein, um die Schifahrer zur Bergstation zu bringen. Die 17-järige Christina K. stand mit etwa 40 Wintersportlern auf der ca. viereinhalb Quadratmeter kleinen Transportfläche der Pistenraupe. Dieses Arbeitsgerät war weder für den Personentransport zugelassen noch entsprechend ausgerüstet. Kurz vor dem Ziel, im Bereich eines steilen Pistenstückes, verlor die junge Sportlerin mit ihren glatten Sohlen der Schischuhe den Halt und sie rutschte von der Ladefläche der Pistenraupe. Sekundenbruchteile später überrollte die an der Raupe angekoppelte und eingeschaltete Schneefräse das Mädchen. Die Stahldorne der Schneefräse, die sonst Eisklumpen zerkleinert, fügten der jungen Frau furchtbare Verletzungen zu, denen sie im Spital erlag. Die Staatsanwaltschaft hat sich zur Klärung der Unfallursache eingeschaltet.
- Rodelunfall.
Ein 24-jähriger Urlaubsgast aus Deutschland rodelte auf einer für den Rodelbetrieb gesperrten Schipiste talwärts, querte die Rodelbahn und durchstieß mit der Rodel das die Rodelbahn sichernde Absperrnetz aus Kunststoff. Der Rodler wurde ca. 30 Höhenmeter in unwegsames Gelände geschleudert, wo er infolge seiner erlittenen inneren Verletzungen verstarb.
- Snowboard.
Der 21-jährige australische Staatsbürger Tony Edward C. fuhr im Raum Kirchberg/Tirol am Südwesthang des Pengelstein mit seinem Snowboard eine steile Variante ab. Aus ungeklärter Ursache kam Tony C. zu Sturz und fiel unter einem Baum. Die Schneemassen, die vom Baum fielen, begruben ihn ca. einen Meter tief. Gefunden wurde er nur, weil sein Board ca. 10 Zentimeter aus dem Schnee ragte. Todesursache war ersticken.
- Über alle Berge.
Das wird eine teure Angelegenheit. Der 28-jährige M.M. stellte am 10.1.1999 sein Leasingfahrzeug zwischen 16 und 18 Uhr im Raum Pyhrnpaß ab. Im Pkw. hinterlies er einen Zettel, daß er mit den Schiern über Wurzer-, Loigistal nach Hinterstoder gehen wolle. Nachdem seine Angehörigen am 13.1.1999 die Abgängigkeitsanzeige erstatteten, wurde mit der Suche begonnen, die am 16. ergebnislos abgebrochen wurde. Die Erhebungen der Gendarmerie ergaben, daß sich der Genannte auf eine Insel im Mittelmeer abgesetzt hatte.
- Babylift.
Der 3-jährige N.N. benützte den Schlepplift mit Niederseilführung (Babylift) im Raum Wattenberg. Durch die Eigendrehbewegung des Förderseiles wickelte sich die Anorakkordel um das Förderseil. Kurz vor der Umlenkrolle wurde das Kind am Hals durch die verwickelte Kordel in die Höhe gezogen, so daß es einige Minuten frei in der Luft hing und das Bewußtsein verlor. Dem Vater gelang es zwischenzeitlich den Notstop zu betätigen und sein Kind aus der verzwickten Lage zu befreien. Nach einem eintägigen Aufenthalt in der Innsbrucker Klinik konnte der Knabe gesund entlassen werden.
- Erschöpfung.
Drei holländische Urlaubsgäste (24,26 und 29 Jahre) wollten am 7.2.1999 von Mayrhofen zu Fuß über den Mariensteig in das Schigebiet Penken aufsteigen. Sie waren für diese Tour völlig unzureichend ausgerüstet und trugen nur Halbschuhe. Durch den vielen Schnee und die Spurarbeit völlig erschöpft, stieg der 29-jährige wieder zurück ins Tal ab. Die beiden anderen setzten ihre Wanderung fort. Gegen 16.30 Uhr mußten auch die Beiden völlig erschöpft, durchnäßt und unterkühlt ihr Vorhaben aufgeben. Ein Abstieg war infolge ihrer schlechten Verfassung nicht mehr möglich. Sie hatten jedoch Glück im Unglück und fanden ein unbewohntes Wochenendhaus, wo sie die Fensterscheibe zum Keller einschlugen und so einen Unterschlupf fanden. Am nächsten Tag wurden sie von der Bergrettung und der Gendarmerie ins Tal geleitet.
- Kollision.
Eine weitere Unsitte ist es, nach einer Kuppe oder Geländekante, bzw. überhaupt in der Mitte der Piste stehenzubleiben. Auch das springen über Geländekanten oder -kuppen, ohne den weiteren Verlauf der Piste zu sehen, ist immer wieder als Unfallursache angeführt. Dazu ein Fallbeispiel aus dem Gendarmeriebericht. Eine 21-jährige deutsche Snowboarderin fuhr mit ihrem Wintersportgerät über eine Geländekante und kniete sich ca. 15 - 20 Meter nachher in den Schnee und blickte bergauf. Ob der Halt in der Pistenmitte infolge eines Sturzes oder nur zum Jux geschah, konnte nicht mehr festgestellt werden. Zur selben Zeit fuhr ein 22-jähriger Schifahrer talwärts, sprang mit seinen Schiern über die Geländekante und prallte frontal gegen die Knieende. Infolge des Anpralls erlitt die Snowboarderin ein tödliches Schädelhirntrauma.
- Pistenrowdy.
Österreich bietet wirklich für jeden etwas; auch Wildwest auf der Schipiste. Ein 58-jähriger Urlauber wurde von einem 56-jährigen Israeli angefahren und umgestoßen. Dabei erlitt er eine Prellung des rechten Ellbogens. Im Anschluß an diesen Unfall kam es noch zu einer tätlichen Auseinandersetzung, bei welcher der Erstgenannte Kopfverletzungen erlitt.
- Lawine.
Soviel Glück hat man nicht immer. Die Bergrettung Judenburg unternahm am 7.3.1999 eine Tour mit Übungscharakter nach Innervillgraten. Gegen Mittag querte die 14köpfige Gruppe oberhalb von Villgraten einen Hang, als sie von unten Hilferufe hörten. Kurz vorher hatte eine dreiköpfige deutsche Tourengehergruppe eine Lawine ausgelöst. Einer der Gruppe wurde nicht verschüttet (der um Hilfe rief), der zweite ragte mit dem Kopf aus dem Schnee und wurde unverletzt geborgen. Mit Sonden wurde nach dem Dritten gesucht und man wurde fündig. Der an der Hand befindliche Schistock wurde gefunden und in weiterer Folge auch der Verschüttete. Dieser war den Angaben des Ortsstellenleiters der Bergrettung Judenburg regelrecht einzementiert.
- Kletterunfall.
Alle Jahre wieder. Martin R. und Hannes H. kletterten im Klettergarten Dürnstein/Wachau verschiedene Routen im Schwierigkeitsbereich VI. Nach Durchstieg der Route "den Stauden Fels" wollte Martin R. seinen Seilpartner mittels HMS abseilen. Er vergewisserte sich jedoch nicht, ob genügend Seillänge für den Abseilvorgang vorhanden war. Auch unterließ es R. einen Sicherungsknoten am Seilende anzubringen. Es kam wie es kommen mußte. Das Seilende schlüpfte durch den HMS - Karabiner und Hannes H. stürzte 10 Meter ab. Er erlitt dabei eine Schenkelhalsfraktur am rechten Oberschenkel, Bruch des 3. Lendenwirbels mit Verschiebung bis zum halben Rückenmarkkanal.
- Canyoning.
Zwei Canyoningsportler wollten am 21.6.1999 den Wieslergraben/Gemeindegebiet Strobl durchsteigen. Gegen 12.30 Uhr setzte starker Regen ein und der Wasserstand in der Klamm stieg erheblich an. Da der Seilschaft der Weg nach vor und zurück versperrt wurde, mußten beide Sportler mittels 0 Meterseil vom Hubschrauber aus geborgen werden.
- Wolkenbruch.
Nicht so glimpflich ging diese Canyoningtour aus. Eine Gruppe von sechs Personen unternahm eine Tour durch die Frauenbachschlucht/Lienzer Dolomiten. Die Wettervorhersage kündigte ein Gewitter an. Die Gruppe lies sich nicht abschrecken und stieg in die Schlucht ein. Vermutlich haben die Teilnehmer die Länge der Tour unterschätzt. Binnen Minuten verwandelte ein Wolkenbruch den Gebirgsbach in ein tosendes, alles mitreißende Gewässer, in dem ein 29-jähriger ital. Teilnehmer den Tod fand.
- Absturz.
Die Bergtour einer sechsköpfigen Urlaubergruppe mit zwei deutschen Führern im Außerfern endete für eine Teilnehmerin tödlich. Die beiden vom deutschen Tourismusverband verpflichteten Führer hatten die Gruppe geführt und begleitet. Beim Abstieg ins Hirschbachtal kamen die beiden Führer vom richtigen Steig ab und gerieten mit ihren Schützlingen in schwieriges Gelände. Bereits beim überqueren von Schneefeldern soll es bereits wegen der mangelhaften Ausrüstung zu Problemen gekommen sein. Die 60-jährige Gisela H. verlor in dem steilen Gelände den Halt und stürzte rund 80 Meter ab. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Die restlichen Gruppenmitglieder mußten von der Bergrettung geborgen und ins Tal gebracht werden. Der Gatte der Verunglückten mußte mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht werden.
- Paragleiter.
Im Raum Hollersbach/Salzburg flog ein 40-jähriger Paragleitpilot aus Taiwan in eine 30 KV - Stromleitung der SAFE und fing Feuer. Nachdem die Leinen des Schirmes abgeschmort waren, stürzte der Pilot ca. 6 Meter tief auf den Wiesenboden. Der Pilot erlitt Verbrennungen am ganzen Körper und Rippenbrüche.
- Schneeeinbruch.
Hans H. (40 Jahre) wanderte am 17.7.1999 von der Saarbrückner Hütte Richtung Madlenerhaus. Beim Überqueren des Kromesbaches brach die Schneebrücke ein und H. stürzte in den Bach. Er wurde vom Wasser unter dem Schneefeld mitgerissen, konnte sich aber nach dem Schneefeld am Ufer anhalten und in Sicherheit bringen. Verletzt wurde Hans bei dem Unfall nicht, erlitt aber einen Schock. Er wurde mit einem Fahrzeug der Bergrettung in sein Quartier gebracht.
- Steinschlag.
Zwei Kletterer durchstiegen am 11.9.1999 die Planspitze am Pichlweg (Schwierigkeit II und III). Beide waren ausgerüstet mit Brust- und Sitzgurt, sowie Steinschlaghelm. Sie stiegen teilweise seilfrei bzw. angeseilt auf. Knapp vor dem Ausstieg, die letzte Seillänge gingen sie seilfrei, brach dem Vorausgehenden ein Felsblock aus und er stürzte ca. 400 Meter in die Tiefe. Sein Partner versuchte noch ihn aufzuhalten, es gelang ihm jedoch nicht.
- Vermisst.
Zwei Tage lang suchte ein Großaufgebot von Bergrettern, deutschen Polizisten und österr. Alpingendarmen im Grenzgebiet zwischen Tirol und Bayern nach einem angeblich vermißten Bergsteiger. Doch während die Suchaktion lief, weilte der 38-jährige Manfred B., der seinen Rucksack im Gelände deponiert hatte, längst in Barcelona. Bei seiner Heimkehr wurde er von seiner Frau und von der Polizei sehnlichst erwartet. Zur Abrundung seines Spanienabstechers wurde ihm nun die Rechnung präsentiert: 350.000.--S sind für den Einsatz zu zahlen. Eine teure Vergnügungsreise.
- Klettersteig.
Ein 47-jähriger Kletterer durchstieg im Raum Bad Goisern im Oktober 1999 einen Klettersteig. Gesichert war er mit Steinschlaghelm, nur mit Brustgurt und Klettersteigset. Auf einem künstlichen Tritt glitt NN aus und stürzte ab. Durch die alleinige Verwendung des Brustgurtes erlitt er Prellungen im Bereich des Brustkorbes. Er war dadurch bewegungsunfähig und konnte sich aus eigener Kraft aus dieser mißlichen Situation nicht befreien. Er wurde von Alpingendarmen geborgen.
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