Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 1998
zusammengestellt von Franz Sladek
- Zusammenstoß.
Zwei Schifahrer stießen auf der Zufahrt zum Karlesspitz-Schlepplift/Kaunertal zusammen. Beide Beteiligten fuhren ohne Austausch der Nationalien wieder weiter, da sie keine Verletzungen an sich feststellen konnten. Nach kurzer Zeit brach einer der Beteiligten plötzlich bewußtlos zusammen. Er hatte bei dem Unfall eine Gehirnerschütterung, Zerrung der Halswirbelsäule, eine Prellung der Schulter rechts und eine Verletzung im Knie erlitten.
- Geländekantensprung.
Ein 13-jähriger deutscher Schüler sprang über eine natürliche Geländekuppe und stieß dabei gegen die 8-jährige XY, die 14 Meter unterhalb der Kuppe zu Tal fuhr. Beide rutschten ca 40 m weiter. Der Knabe erlitt eine Platzwunde am Kopf und einen Nasenbeinbruch, das Mädchen erlitt eine Gehirnerschütterung.
- auf Abwegen.
Ein 12-jähriger Schüler fuhr mit seinem Snowboard über den Pistenrand hinaus und kam in steiles eisiges Gelände. Er getraute sich in der Folge allein nicht mehr retour zur Piste. Ein am Pistenrand zurückgebliebener Freund verständigte daraufhin die Bergrettung. Der Junge wurde mittels eines Kletterseiles, nach anlegen eines Klettergurtes, geborgen.
- Übersehen.
Der 41-jährige Angestellte der Liftgesellschaft fuhr mit der Pistenraupe im Schigebiet Sommerbergalm/Hintertux bergauf, um ein Schneedepot anzulegen. Der von oben kommende 32-jährige Snowboardfahrer querte knapp hinter der Raupe deren nicht präparierte Spur und kam ca. drei Meter hinter dieser zum Stillstand. Als der Raupenfahrer wieder rückwärts fuhr, übersah er den hinter der Raupe Stehenden und stieß ihn mit dem Nachlaufwerk nieder. Der Snowboarder erlitt einen Schambeinbruch.
- Pistenraupenunfall.
Der letzte Tag des Schulschikurses wurde einem englischen Buben zum Verhängnis. Bei der Abfahrt vom Bernkogel durften die Kinder eine eigene Spur wählen. Adam F. (10 Jahre alt) nahm Abfahrthocke ein und jagte den Steilhang hinunter. Zur gleichen Zeit fuhr das Pistengerät bergauf. Der Fahrer blieb stehen und betätigte die Hupe. Jedoch der Schüler nahm die Hupsignale nicht wahr und prallte mit voller Wucht gegen das Fahrzeug. Bei dem Anprall riß es dem Knaben die Kopfhaut von der Stirne bis zum Hinterkopf weg. Außerdem befürchten die Ärzte, daß der junge Brite gelähmt bleiben könnte.
- Eisklettern.
Zwei Kletterer wollten im Felbertal/Mittersill einen Eisfall bezwingen. Der Vorsteigende wollte ca. einen Meter ober dem Sichernden eine Eisschraube herausdrehen, als sich sein Eisgerät, auf dem er sein ganzes Gewicht gelegt hatte, ausbrach. Der Zweite sicherte ihn mittels HMS und einer eigenen Eisschraube. Durch den Sturz - Sturzhöhe jedoch nur ca. einen Meter - wurde die zur Sicherung gesetzte Eisschraube aus dem brüchigen Eis herausgerissen und der Vorsteigende stürzte ca. 35 Meter bis zum Einstieg ab (Rißquetschwunden am Kopf und Prellungen am gesamten Körper). Der Zweite, der zu seiner Sicherung eine eigene Eisschraube gesetzt hatte, seilte sich selbstständig ab.
- Snowboardsalto.
Der 21-jährige NN sprang am 30.1.1998 im Funpark/Schwendau/Zillertal mit seinem Snowboard über eine Schanze und wollte dabei einen Salto vollführen. Dies gelang ihm jedoch nicht ganz und er prallte mit dem Kopf auf die Piste auf. Er erlag am 22.2.1998 seinen dabei erlittenen Verletzungen.
- Schneefeld.
Eine 48-jährige Berggeherin unternahm mit einer Gruppe aus einem alpinen Verein eine Wanderung auf die Rax. Im Zuge dieser Wanderung wurden von selbsternannten Bergführern auf einem Schneefeld Rutsch- und Bremsversuche, sogenannte Firnübungen, durchgeführt, Dabei erlitt eine der Teilnehmerinen einen Unterschenkelbruch, als die Schneedecke einbrach.
- Schneebrett.
Obwohl der Tiroler Lawinenwarndienst und die eingeschalteten gelben Blinklichter auf die akute Lawinengefahr hingewiesen hatten, konnten zwei Schifahrer dem Reiz des Pulverschnees nicht widerstehen. Ein deutscher Urlauber und der 28-jährige Tiroler Andreas W. fuhren in den gesperrten Tiefschneehang hinein. Dabei lösten sie ein Schneebrett aus. Während der Tourist vor den Schneemassen flüchten konnte, wurde der Tiroler ca. 150 Meter in die Tiefe mitgerissen. Er kam mit einem Schock davon.
- Skitourenunfall.
Franz und Sabine P. stiegen mit ihren Schiern am Rücken am 13.4.1998 auf den Präbichl/Stmk auf. Ca. 100 Meter unterhalb des Griesmauer-Gipfels passierte es. Franz P. querte gerade den Südhang der Griesmauer, als er im Schnee einbrach und vor den Augen seiner Gattin verschwand. Da sie mit ihrem Gatten keinen Kontakt bekam, fuhr sie zur Leobnerhütte ab und löste Großalarm aus. Wie sich herausstellte, war Franz P. erst durch einen Hohlraum unter der Schneedecke eingebrochen, danach in eine darunterliegende Höhle und in dieser weiter 100 Meter abgestürzt. In 14 Etappen wurde von zwei Hubschraubern das Personal und das Material für die äußerst komplizierte Bergung hochgeflogen. Gegen 16 Uhr, als die Retter bereits zu dem Abgestürzten vorgedrungen waren, verschlechterte sich das Wetter derart, daß beide Hubschrauber notgedrungen zurückfliegen mußten, ehe die Bergung abgeschlossen war. Alle Bemühungen des Rettungsteams waren jedoch vergeblich, der verunglückte Tourengeher konnte nur mehr tot geborgen werden.
- Canyoning.
In der unteren Auer Klamm/Ötz-Tirol treffen sich die Canyoning Fans. Der 22-jährige Deutsche huldigt auch diesem Sport. Er sprang jedoch zu wenig weit in einen wannenförmigen Tümpel. Dadurch prallte er mit dem Rücken und dem Hinterkopf gegen den felsigen Tümpelrand wodurch er unbestimmten Grades verletzt wurde. Das keine schlimmeren Folgen dieses mißglückten Sprunges zu verzeichnen sind, verdankt er seinem Helm.
- Klettergarten.
Ein Kletterer (27) wollte im Klettergarten in der Martinswand/Zirl am 21.6.1998 die Route "Dschungelbuch" durchsteigen. Er trug das Kletterseil in einem Seilsack am Rücken. Die Halteschlingen des Sackes hatte er sich um den Hals gehängt. Nach kurzer Zeit sperrte ihm die Schlinge die Luft ab. Beim Versuch diese zu lockern, verlor er den Halt und stürzte ca. 5 Meter bis zum Einstieg ab. Er erlitt einen Bruch des 1. Lendenwirbels.
- Verirrt.
130 Stunden überstand ein junges Paar aus Deutschland, Martin M. (25) und Monika S. (28), ohne Nahrung auf einem Berg in Salzburg. Die Gäste waren am 17.7.1998 von der Gleiwitzerhütte zum Schwaigerhaus unterwegs. Im Nebel verloren sie die Orientierung, kamen in unwegsames Gelände und irrten fünf Tage umher. Sie hatten weder Essen noch Getränke bei sich. Eine kleine Quelle war in den ersten Tage ihre Rettung. Diese versiegte bald, so daß die beiden zuletzt das Tauwasser von den Felsen lecken mußten. Vier Tage harrten die Zwei auf einer kleinen Felskanzel aus, als endlich ein Berggeher ihre Lichtzeichen, die das Pärchen mittels Fotoapparat gab, sah. Ihr Kommentar bei der Bergung. "auf einen Berg gehen wir so schnell nicht mehr".
- Herzstillstand.
Am 15.7.1998 wanderte ein Pärchen (39 und 36 Jahre alt) von der Dolomiten Hütte in Richtung Karlsbader Hütte/Lienzer Dolomiten. Von der Gamswiesenspitze hörten sie Hilferufe - Kletterunfall. Der 39-jährige eilte voraus zur Karlsbader Hütte, um dort Hilfe zu organisieren. Mußte jedoch knapp vor Erreichen der Hütte wegen Erschöpfung eine Rast einlegen und setzte sich auf einen Stein neben dem Weg. Er erlitt einen Herzstillstand und verstarb an dieser Stelle.
- Geißbockattacke.
In den Stubaier Alpen wurden drei Innsbrucker von einem rabiaten Geißbock angegriffen. Ca. 30 Minuten stieß der Bock mit seinen Hörnern zu und trampelte auf den Wanderern herum. Die zum Teil schwer verletzten Opfer wurden in die nächste Klinik geflogen.
- gefährliches Fest.
Eine Gruppe von 18 Esoterikern wollte im August 1998 ein nächtliches Fest in der Tauglschlucht/nahe Salzburg, abhalten. Durch einsetzende Regenschauer stieg der Wasserstand der Taugl schlagartig und acht Personen konnten die Schlucht nicht mehr rechtzeitig verlassen. Sie wurden bis zu 500 Meter abgetrieben und mußten von der Wasserrettung, dem ÖBRD und der Gendarmerie geborgen werden.
- Drogen.
Früher war oft die Alkoholisierung Schuld an vielen Bergunfällen. Heute greifen andere Suchtmittel um sich. Am 16.8.1998 erlitt eine 20-jährige Drogensüchtige einen Kreislaufkollaps und Magenkrämpfe als sie über den Rauhen Kamm auf den Ötscher/NÖ aufsteigen wollte. Sie mußte mittels Seilbergung vom Hubschrauber geborgen werden.
- Seilkommando.
Am 23.9.1998 kletterte der 21-jährige G.W. 10 Meter eine Verschneidung im Klettergarten Hinterstein/Bad Ischl hinauf, hängte oben bei einem sogenannten Sauschwanzerl das Kletterseil ein und wollte sich passiv von seinem Vater, dem 47-jährigen L.W., abseilen lassen. Der Vater nahm jedoch an, sein Sohn mache Stand und löste die Sicherung. G.W. lehnte sich zurück, fiel rücklings die Wand hinunter und erlitt schwere Verletzungen.
- Vermisst.
Am 7.12.1998 fuhr die 13-jährige Snowboarderin Miriam F. in der Seegrube/Innsbruck talwärts. Bei der Polizei ging die Meldung ein, daß das Mädchen von ihrer Tour nicht zurückgekommen sei. Am nächsten Tag meldete ein Zeuge, daß er gesehen habe, wie Miriam im Bereich der Sesselliftstütze 3 und 4 gestürzt ist. Er selbst stürzte ebenfalls, konnte sich aber aus seiner mißlichen Lage befreien. Von Miriam war zu diesem Zeitpunkt keine Spur mehr zu sehen. Am 9.12. wurde das Mädchen unterhalb der Stütze 4 aufgefunden. Sie war mit ihrem Snowboard im Latschen durchsetzten Gebiet kopfüber in ein Loch gefallen und konnte sich selbst nicht mehr befreien.
- Unfallschock.
Ein 14-jähriger Bursche kam bei der Abfahrt Madlrieß/Grünau im Almtal mit seinen Schiern zu Sturz und blieb für kurze Zeit benommen liegen. Ein Snowboarder übersah den Gestürzten und fuhr ihm mit seinem Snowboard über die rechte Hand. Beide Unfallbeteiligten kamen ins Gespräch und der Bursche gab an, nicht verletzt zu sein (Schock). Einige Zeit später wurde ihm schlecht und er erlitt einen Schwindelanfall. Als er seinen Handschuh auszog - er spürte nur eine große Wärmeentwicklung = Blutverlust, bemerkte er, daß ihm der Ring- und der kleine Finger abgetrennt waren.
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