Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 1997
zusammengestellt von Franz Sladek
- Abgängig.
Der deutsche Staatsbürger Michael Sch. wollte am 6. Jänner für einige Tage zum Schifahren ins Silvretta - Nova - Gebiet fahren. Als er einen Treffpunkt nicht einhielt und sich auch nicht telefonisch meldete, erstattete seine Gattin am 8. Jänner abends die Abgängigkeitsanzeige. Sein Pkw wurde bei der eingeleiteten Suchaktion am Parkplatz bei der Valiserabahn/St. Gallenkirchen aufgefunden. Im Zuge der Aktion, bei der 80 Einsatzkäfte, Hubschrauber des BMfInneres, sowie Suchhunde teilnahmen, konnte Sch. oberhalb der Mittelstation, abseits der Piste 1 tot aufgefunden werden. Es wird angenommen, daß Sch. über den Pistenrand geriet und dadurch ca. 35 Meter durch steil abfallendes Gelände in den Wald abstürzte.
- Absturz.
Helga G. fuhr in einer 8-köpfigen Schigruppe (1A-Läufer) im Schigebiet Sonnenkopf, unter Führung des staatl. geprüften Schiführers Josef R., von der Glattingratbahn Richtung Nenzigsattel ab. Im unteren Teil der Abfahrt mußte die Gruppe die Ausläufer einer Grundlawine queren. Bei dieser ca. 6 Meter breiten Querung rutschte G. mit ihren Schiern aus und stürzte anschließend ca. 150 Höhenmeter über steiles, felsdurchsetztes Gelände ab. Sie konnte nur mehr tot geborgen werden.
- Tragisch
endete die Alleinfahrt eines 12-jährigen deutschen Urlauberkindes. Der Bub verließ aus unbekannter Ursache den gesicherten Schiraum (Schigebiet Königsleiten/Gerlos) und fuhr ein Stück im freien Schiraum ab. Er geriet in steiles Gelände und konnte mit seinen Schiern nicht mehr weiter. Daraufhin schnallte er seine Schier ab und versuchte an mehreren Stellen zu Fuß weiterzukommen. Dabei rutschte er aus und stürzte über eine gefrorene Waldrinne (diese Rinne ist im Mittelteil bis zu 50 Grad steil) ca. 130 Höhenmeter ab. Sein Vater hatte den Buben vergeblich gesucht und schließlich die Bergrettung alarmiert. Die Retter konnten nur mehr den Toten bergen.
- Ausgerutscht.
Die 35-jährige NN rutschte auf Grund des schlechten Schuhwerkes auf einem 35 Grad steilen Grashang im Gebiet von Dorfgastein aus und stürzte etwa 150 Meter ab. Am Fuße einer 12 Meter hohen Felswand blieb sie mit tödlichen Verletzungen liegen. So lautet die Kurzbeschreibung der erhebenden Gendarmen. Welche Tragik steckt jedoch hinter diesen Sätzen?
- Übernachtung.
Eine 32-jährige Schifahrerin kam aus ungeklärter Ursache von der markierten Piste (Schigebiet Axams) ab und geriet in der Folge in steiles unwegsames Gelände, wo sie weder vor noch zurück konnte und auch von der Dunkelheit überrascht wurde. Die Frau grub sich in einem Lawinenkegel ein Schneeloch und verbrachte die Nacht darin (für sie wahrscheinlich die längste Nacht ihres Lebens). Im Zuge eines Suchfluges am folgenden Tag konnte sie gefunden und in der Folge geborgen werden.
- Pistenraupenunfall.
Zwei siebenjährige Knaben fuhren im präparierten Schiraum (Mittelberg - Heuberg/ Vbg) in Schrägfahrt knapp hinter einer Pistenraupe her. Um die Piste mit Schnee aufzufüllen, hielt der Raupenfahrer an, schaltete den Rückwärtsgang ein und setzte zurück. Dabei überfuhr er die beiden Kinder. Auf das Unglück wurde er erst aufmerksam, als er die beiden Körper vor der Raupe liegen sah. Felix F. war sofort tot. Daniel wurde in das Krankenhaus Feldkirch eingeliefert, das er nach kurzer Zeit verlassen konnte.
- Rodelausflug.
Der Ausflug einer deutschen Schülergruppe nahm ein tragisches Ende. Die Gruppe rodelte im Bereich des Mundeliftes/Leutasch talwärts, als es bei einem Steilstück zu einem Rodelstau kam Die nachfolgenden Rodler versuchten auszuweichen, gerieten dabei aber über die Rodelbahn hinaus und stürzten in den Wald. Eva E. erlitt dabei einen Beckenbruch sowie eine tödlich Pfählverletzung im Unterleib. Drei weitere Personen der Gruppe wurden ebenfalls schwer verletzt.
- Lifthorror.
Eine Horror-Fahrt auf einem Sessellift endete in Tulfes/Tirol mit dem Absturz des 11-jährigen Martin O. Wie kam es zu diesem Unfall: Martin schaffte es nicht, auf dem daherkommenden Sessel Platz zu nehmen. Blitzschnell packte ihn sein Vater beim Anorak, um den Buben hochzuziehen. Doch er schaffte dieses Unterfangen nicht. So hing Martin an der Hand des Vaters und der Abstand zum Boden wurde immer größer. Etwa nach 100 Meter Liftfahrt (hat diesen Vorgang wirklich niemand bemerkt?) verließen dem Vater die Kräfte und der Bub stürzte aus ca. 10 Meter Höhe auf die harte Piste darunter. Er kam mit Fersenprellungen und einer Gehirnerschütterung davon. Hier war wohl der Schutzengel dabei.
- Höhenrausch.
Der Spaß im Snowboarderparadies Sölden war für den Schweizer David B. (20) zu wenig berauschend. Er half mit einem Marihuana - Joint nach. Bei der Abfahrt mit seinem Snowboard im Drogenrausch rammte er den 11-jährigen Deutschen Johannes K. und verletzte ihn schwer. Das Kind erlitt eine Kopfverletzung und mußte in die Innsbrucker Klinik geflogen werden. Auch David B. erlitt einen Schlüsselbeinbruch und wurde in häusliche Pflege entlassen. Als die Gendarmen noch einmal in die Unterkunft des Schweizers gingen, staunten sie nicht schlecht. B. und seine Freunde rauchten gerade wieder ihre Joints.
- Liftunfall.
Der 47-jährige G.B. fuhr am 11. 3. mit dem Schlepplift (Suttislift/Mellau - Vbg.) und stürzte vom Bügel. Er rutschte kopfvoraus die steile Liftspur zurück, gegen die nachkommenden Schifahrer, weiter gegen eine gepolsterte Absicherung und kam dann ca. 20 Meter weiter unten zum Stillstand. Beim Aufprall an den Schischuhen der Nachkommenden dürfte er sich die Kopfverletzungen zugezogen haben, die zu seinem Ableben führten.
- Sondensuche.
Eine siebenköpfige Gruppe war auf dem Tiroler Gaisberg in einen steilen Hang eingefahren. Plötzlich löste sich ein Schneebrett und verschüttete den 25-jährigen Stefan F. Mit einem Handy alarmierten seine Kameraden die Bergrettung. Zwei Notarzthubschrauber brachten 80 Bergretter und Lawinenhunde an die Unfallstelle. Weil keine Töne des Lawinenpiepserls zu hören waren, mußte der unter dem Schnee Begrabene mit Sonden gesucht werden. Nach zwei Stunden konnte er nur noch tot gefunden werden. Er trug zwar das Piepserl bei sich, hatte es aber ausgeschaltet.
- Schlechtwetter.
Am 28.3. unternahm ein 32-jähriger Urlauber aus Deutschland eine Schitour (er wollte seine neuen Schier ausprobieren) auf das Seehorn/Lofer. In einer Höhe von ca. 1900 Meter wurde er zuletzt gesehen. Dem Rat eines auf der Schiroute abfahrenden Alpingendarmen, wegen der hereinbrechenden Schlechtwetterfront umzukehren, kam er nicht nach. Seine Leiche wurde am 8.6.1997 aufgefunden.
- Bergung.
Am 20.3. brachen die beiden Tourengeher (39 und 23 Jahre alt, deutsche StA.) von der Naviser Hütte bei Schneefall und schlechter Sicht, sowie akuter Lawinengefahr zu einer Schitour über das Naviser Kreuzjöchl - Griffjoch - Geierspitz zur Lizumer Hütte auf. Beide waren das erste Mal in diesem Gebiet unterwegs und fanden sich im Gelände nicht zurecht. Sie entschlossen sich daher zu biwakieren. Da sie jedoch nicht wie vereinbart auf der Lizumerhütte eintrafen, wurden beide am 21.3. von einer Suchmannschaft gesucht. Sie konnten unverletzt geborgen und sicher ins Tal geleitet werden.
- Uneinsichtigkeit
. Unwetter und Lawinengefahr führten am Sonntag den 6. April dazu, daß das Schigebiet zwischen Zehnerkar und Kirchbichl-Lift/Obertauern-Szbg. gesperrt werden mußte. Was das deutsche Ehepaar mit seinen vier Kindern (von 5 bis 13 Jahren) nicht abhielt, über die gesperrte Piste zu marschieren. Mittags geschah dann die Katastrophe: Ein Schneebrett löste sich und die Kinder wurden von der weißen Masse erfaßt, in die Tiefe gerissen und verschüttet. Angestellte der Liftgesellschaft und zwei Schilehrer wurden Zeugen des Vorfalles. Sie organisierten sofort Schneeschaufeln und begannen mit den Eltern nach den Kindern zu graben. Das Älteste konnte unverletzt geborgen werden, die drei anderen wurden mit Prellungen und Unterkühlung aus der Lawine befreit.
- Gletscherspalte.
Am 21.4., gegen Mittag, fuhr die Holländerin Sonja D. (20) allein mit ihrem Snowboard am Rettenbachferner. Die tödlichen Gletschergefahren völlig mißachtend fuhr Sonja außerhalb des gesicherten Pistenbereichs ab. Dabei stürzte sie etwa sieben Meter in eine Gletscherspalte und blieb - zu ihrem großen Glück - auf einer Schneebrücke liegen; hatte jedoch keine Chance sich selbst zu befreien. Auch ihre Hilferufe wurden nicht gehört. Um 1900h schlugen ihre Freunde Alarm. Um 22 Uhr bargen die Retter die Snowboarderin. Sie hatte ca. 10 Stunden in ihrem eisigen Gefängnis verbracht. Sie wurde stark unterkühlt ins Krankenhaus gebracht.
- Tauchunfall.
Am 3.5. sprang der 40-jährige Tauchlehrer NN aus Deutschland über eine ca. 1 Meter hohe Felsstufe in einen 3 Meter tiefen Tümpel in den Weißenbach (bei Maria Klamm/Bad Ischl). Er kam dabei in eine Wasserwalze und konnte sich aus dieser nicht mehr befreien und war etwa 5 - 9 Minuten unter Wasser. Der Gemeindearzt Dr. Riessberger aus Unterach setzte wohl den Kreislauf in Gang, jedoch bei dem Verunfallten blieb die Gehirntätigkeit aus. Er verstarb am 4.5. im Landeskrankenhaus Bad Ischl.
- Seilkommando.
Eine Zweierseilschaft stieg in die Roßkuppenkante IV+ Hochtor/Gesäuse ein. Ohne das Seilkommando "Nachkommen" abzuwarten kletterte der Seilzweite dem Ersten nach. Dieser hatte jedoch das Seil noch nicht eingezogen als dem Nachdrängenden ein Griff ausbrach und er ca. 20 Meter abstürzte. Der Eilige erlitt bei diesem Unfall schwere Verletzungen.
- Kuhattacke.
Ein deutscher Gast (58) fuhr auf einem Fahrweg mit seinem Bike bergwärts auf den Hundstein/Maria Alm. Vor seinem Rad hatte er einen Husky vorgespannt. Weidende Kühe versuchten den Hund zu attackieren und griffen diesen an. Der Radfahrer versuchte dem Angriff auszuweichen, kam daher vom Weg ab uns stürzte. Er erlitt bei diesem Unfall schwere Verletzungen.
- Abkürzung.
Ernst F. stieg am 27.7. auf den Normalweg zum Gipfel der Plattnitzerjochspitze. Beim Abstieg wollte er über die Nordflanke des Berges abkürzen und geriet dabei in steiles, schwieriges Felsgelände. Da er nun weder vor noch zurück konnte, rief er um Hilfe. Seine Hilferufe wurden zuerst von anderen Berggehern mißgedeutet. Um 21 Uhr rückte schlußendlich eine fünfköpfige Bergrettungsmannschaft aus, die den Verunfallten aus seiner verzwickten Lage befreiten und zum Parkplatz Spulersee brachten.
- Lebensmüde.
S.G. (19) ging am 14.7. in den Wald um sich das Leben zu nehmen. Da er unter Einwirkung von Tabletten stand, stürzte er über einen zwei Meter hohen Felsen und verbrachte bei Regen die ganze Nacht am Wandfuß im Freien. Völlig durchnäßt und unterkühlt kamen seine Lebensgeister wieder retour. Er rief um Hilfe und wurde aufgefunden und geborgen.
- Kletterunfall.
Am 3.8. unternahmen die 52- und 57-jährigen Kletterer eine Klettertour durch den Alpen-rautekamin IV (Lienzer Dolomiten). Schon nach der ersten Seillänge verfehlten sie die Route und gelangten in den Schluchtkamin. Der Vorsteigende entschloß sich abzubrechen und abzuseilen. Er wollte sich an einem geschlagenen Längshaken abseilen. Dieser brach jedoch aus und der Kletterer stürzte 50 Meter über die fast senkrechte Südwestwand ab, wo er mit tödlichen Verletzungen liegen blieb.
- Mineraliensuche.
A. war am 10 .8. in der NW-Flanke des Roten Mannes (Goldberggruppe) zum Mineraliensuchen unterwegs. Er kam im unwegsamen und brüchigen Schroffengelände zu Sturz und stürzte über gestuftes Gelände ca. 70 Meter ab. Er fiel in weiterer Folge in die Schmelzkluft eines Altschneefeldes, wo er vom Schutt und Schnee nahezu vollkommen verschüttet wurde. Bei dem Unfall erlitt A. tödl. Schädelverletzungen, Serienrippenbrüche und eine Lugenverletzung. Das dieser Unfall überhaupt bekannt wurde, ist zwei weiteren Mineraliensuchern zu verdanken, die diesen Vorfall beobachtet und gemeldet hatten.
- ungesichertes Gelände.
Der 30-jährige amerikanische Filmproduzent Christopher R. aus Kalifornien war am 17.10. auf dem Tuxer Ferner mit seinem Snowboard unterwegs, um Filmaufnahmen des Gebietes zu tätigen. Er verließ den gesicherten Schiraum und fuhr mit seinem Snowboard im ungesicherten und vergletscherten Gelände ab. Da er um 21 Uhr noch immer nicht bei seiner Gruppe eintraf, wurde Alarm geschlagen. Nach rund dreieinhalbstündiger Suche fanden Bergretter rund 200 Meter abseits der gesicherten Piste den Verunfallten in einer Gletscherspalte. Er war auf dem blanken Eis ausgerutscht und in die Tiefe gestürzt. Nachfolgende Schneemassen bedeckten seinen Körper. Obwohl eine Atemhöhle festgestellt wurde, konnte Christopher nur mehr tot geborgen werden.
- Pistenraupen-Tragödie.
Mit einer schrecklichen Tragödie endete eine Betriebsfeier in einem Bergrestaurant. Das Ehepaar Edith und Johann H. nahm am 14.12. an der 25-Jahr-Feier der Bergbahn Scheffau teil. Gegen 20 Uhr machte sich eine Gruppe von ca. 30 Personen auf den Weg zur Bergstation der Gondelbahn. Der 29-jährige Georg G. war mit einer Pistenraupe ebenfalls unterwegs, denn er hatte auf der vorderen Schaufel einen Gehbehinderten und fünf weitere Personen zu transportieren. Bei dichtem Schneetreiben geschah dann das Unglück. Der Fahrer übersah das vor ihm gehende Ehepaar - auch die auf der Schaufel mitfahrenden Personen bemerkten die Beiden nicht - und überrollte diese mit seinem 5.5 Tonnen schweren Gerät. Ein nachkommender Gast bemerkte erst das Unglück und schlug Alarm. Für Edith H. kam vor Ort jede Hilfe zu spät. Ihr Gatte erlag im Spital einige Tage später seinen schweren Verletzungen. Im Unfallprotokoll der Gendarmerie stand lapidar zu lesen: aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse und der Alkoholisierung (des Fahrers) kam es zu diesem Unfall.
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