Fallbeispiele aus dem Unfallgeschehen 1996
zusammengestellt von Franz Sladek
- Alkoholisiert.
Trotz eindringlicher Warnung des Wirtes vom Wagrainerhaus fuhr der 22-jährige in Begleitung seines Freundes um ca. 1.15 Uhr mit den Schiern nach Wagrain ab. Bei dieser Abfahrt verloren sich beide aus den Augen. Als sein Partner um 3.15 Uhr noch nicht in Wagrain eingetroffen war, wurde die Bergrettung alarmiert. Zwischenzeitlich besuchte der Abgängige ein Gasthaus und konnte um 4.30 Uhr sehr stark alkoholisiert in der Nähe des Zeughauses der Freiwilligen Feuerwehr aufgefunden werden. Offensichtlich ein teurer Rausch.
- Eisklettern.
Der Bergrettungsmann Nikolaus M. (21 Jahre alt) kletterte am 16. 2.1996 den Igentbach - Eiswasserfall ca. 100 Höhenmeter empor. Das Eis des Wasserfalles war mit einer ca. 2 - 3 cm dicken Schneeauflage teilweise bedeckt. Knapp 20 Meter unterhalb des Ausstiegs trat er mit seinen Steigeisen auf eine ausgeaperte Felsplatte (diese war nur mit der o.e. Schneeauflage bedeckt), rutschte mit seinen Eisen ab und stürzte in der Folge ab. Er konnte nur mehr tot geborgen werden.
- Paragleiten.
Am 7. 2.1996 wurde der Gendarmerieposten Großgmain vom Rehab-Zentrum Großgmain informiert, daß der ägypt. Staatsbürger El Dahar F. (42. Jahre alt) abgängig sei. Gegen 19.20 Uhr meldete sich dieser über sein Handy und gab an, er habe mit seinem Paragleitschirm auf die "Vier-Kaser-Alm" aufsteigen wollen: Mangels genauer Ortskenntnisse habe er sich jedoch im unwegsamen Gelände verirrt und stecke nun bis zur Hüfte im Schnee und sei am Ende seiner Kräfte. Eine genaue Ortsangabe konnte er nicht angeben, deshalb wurde eine größere Suchaktion gestartet. Gegen 23.30 Uhr konnte er stark unterkühlt aufgefunden und ins Rehab-Zentrum zurückgebracht werden.
- Rafting.
Sechs Personen fuhren am 30. 3.1996 mit einem Rafting-Schlauchboot - bei schlechter Sicht und ohne das steile und mit Felsabbrüchen durchsetzte felsige Gelände zu kennen - vom Loserfenster/Stmk. talwärts. Statt sanft zu landen, hob das Raftingboot plötzlich ab und prallte auf den zugefrorenen Augstsee. Fast alle Teilnehmer dieser lustigen Tour erlitten Gehirnerschütterungen, Prellungen und Abschürfungen. Bei einem der Lustigen wurde eine Oberschenkelfraktur festgestellt.
- Schneebrücke.
Eine vierköpfige schweizer Schitourengruppe wollte mit Schiern von der Neuen Prager-Hütte über den Schlatenkees zur Venedigerscharte aufsteigen. In ca. 3.350 Meter Seehöhe brach unter dem 47-jährigen Tourengeher (er ging als Erster der Gruppe) eine Schneebrücke und da er nicht angeseilt war, stürzte er ca. 50 Meter in die Gletscherspalte. Dort blieb er schließlich liegen, wurde aber in der Folge von den nachkommenden Schneemassen noch ca. 2 Meter tief verschüttet. Er konnte von den Rettungsmannschaften nur mehr tot geborgen werden. Die Obduktion ergab: Tod durch Ersticken.
- Snowboard.
Am 1. 4.1996 fuhr der 20-jährige deutsche Urlaubsgast mit vier Freunden vom Grubigstein - Sessellift in Richtung Mittelstation mit seinem Snowboard ab. Unterwegs verließen sie den gesicherten Schiraum und fuhren durch eine Absperrung in bewaldetes Gelände. Als das Terrain immer steiler und unbefahrbarer wurde, entschlossen sich seine Freunde nicht mehr weiterzufahren und eine andere Route zu wählen. XY entschloß sich trotzdem weiterzufahren. In der Folge stürzte er über steiles felsiges Gelände ca. 15 Meter ab und rutschte dann noch auf dem teils aperen bzw. gefrorenen Waldboden ca. 80 Meter weiter ab bis er schließlich mit tödlichen Verletzungen (Schädel-Hirnverletzung und Genickbruch) liegen blieb.
- Steinschlag.
Der 30-jährige Kletterer stieg am 20. 4.1996 in die Stadlwand/Schneeberg-NÖ ein. Nach der ersten Seillänge errichtete er einen Standplatz und sicherte seinen Partner, er aber unterließ es, selbst eine Eigensicherung aufzubauen. Auch als flotter Berggeher trug er keinen Steinschlaghelm. Bevor noch sein Partner nachsteigen konnte, traf ihn ein Stein am Kopf und er verlor daraufhin seinen mehr als fragwürdigen Halt und stürzte ungesichert ca. 20 Meter ins Seil. Bei dem Unfall erlitt er einen offenen Schädelbruch und Prellungen.
- Ausgerutscht.
Die 41-jährige deutsche Urlauberin war mit weiteren Begleitern auf dem Normalweg Richtung Frauenkopf/Fuschl am See unterwegs. Beim Abstieg rutschte sie auf einer feuchten erdigen Stelle (hier war der Steig fast eben) plötzlich aus, riß einen Arm in Höhe und kollerte über den ca. 50 Grad steilen Waldhang talwärts. Ca. 50 Meter tiefer blieb sie in einer Schotterrinne tot liegen. Die Tote, sowie ihre Begleiter - trug Turnschuhe mit feiner Rillen-Profil-Sohle.
- Gletscherspalte.
Zwei Hochalpinisten stiegen am 24. 8.1996 (28 und 37 Jahre alt) über die Hochgallrinne(St. Jakob i.D.) ca. 35 Grad steil, ab. Beide waren mit Steigeisen und Pickel ausgerüstet, bewältigten aber den Abstieg unangeseilt und ungesichert. Der 37-jährige tat mit dem linken Fuß einen längeren Schritt und rutschte dadurch auf dem aufliegenden Weichschnee aus, kam zu Sturz und rutschte in Bauchlage ca. 400 Meter weit ab. Am Ende der Rutschpartie stürzte er in eine Gletscherspalte ca. 15 Meter tief ab und erlitt tödliche innere Verletzungen. Jetzt erhebt sich die berechtigte Frage warum verwendete er nicht die "Liegestütztechnik" oder den "Pickelrettungsgriff"?
- Panik.
Eine gemischte Urlaubergruppe von Jugendlichen aus England, Holland und Österreich, begleitet von neun Erwachsenen, unternahm am 20. 8.1996 eine Wanderung auf den Reuttener Hahnenkamm. Sonja S. und ihre Freundin Erika B gingen abgesondert auf einem Fußweg talwärts. Oberhalb der Talstation trafen die Mädchen auf Weidevieh. Aus Angst vor diesen (Kühe und Kälber) flüchteten sie über einen Stacheldrahtzaun, der das flachere Weidegebiet vom steileren trennte. Erika B. konnte sich noch an einem Baum festhalten während Sonja S. 25 Meter in den dahinterliegenden Abgrund zum Hirschbach stürzte. Sie wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen mittels Hubschrauber in die Innsbrucker Klinik geflogen.
- Handy.
Die Technik erobert immer mehr unsere Gebirgswelt. In diesem Fall "Gott sei Dank". Der 43-jährige Lehrer Gernot M. plante eine Überquerung des Toten Gebirges. Als erfahrener Alpinist nahm er sein Mobiltelefon mit, mit dem er sich mehrmals am Tage mit seiner Gattin unterhielt und ihr auch seinen jeweiligen Standort mitteilte. Nachdem der vereinbarte Anruf ausblieb, verständigte seine Gattin die Bergrettung. Ein Gewitter, und damit verbunden Empfangsstörungen, hatten Gernot M. gezwungen am Hebenkas zu biwakieren. Die bereits geplane Hilfsaktion konnte abgeblasen werden, da der Wanderer allein weitergehen wollte. Doch dichter Nebel und Regen machten ein Weiterkommen völlig unmöglich. So verkroch sich M. in eine Höhle und rief über sein Handy die Bergrettung. Aufgrund der exakten Geländebeschreibung vom Gernot M. wußte die Bergrettung genau, wo der Verirrte war. Fünf Stunden dauerte der Einsatz und alle kamen unversehrt ins Tal retour.
- Erfroren.
Am Donnerstag den 12. 9.1996 wollten zwei belgische Alpinisten (73 und 49 Jahre alt) von der Saarbrückner Hütte zur Tübinger Hütte gehen. Bertram Weiskopf, der Hüttenwirt der Saarbrückner Hütte, warnte die beiden wegen der erwarteten Kaltfront, daß sie spätestens um 14 Uhr bei ihrem Ziel eingetroffen sein sollten. Doch sie schlugen alle Warnungen in den Wind. Sie änderten sogar ihr Ziel und brachen zur Gletschertour Richtung Wiesbadner Hütte auf. Auf dem Silvretta-Gletscher war einer der Männer am Ende seiner Kräfte. Das Angebot dreier schweizer Bergsteiger sie zu einer anderen Hütte zu bringen schlugen sie aus, gingen - geschwächt wie sie waren - weiter und wurden vom Schlechtwetter mit heftigen Schneefällen und anhaltender Kälte eingeholt. Am Montag den 16. 9.1996 wurden die beiden tot, nachdem in einem anderen Gebiet erfolglos nach ihnen gesucht wurde, erfroren im Schnee (einer lag im Schnee, vom anderen schaute nur der Kopf aus dem Schnee heraus), aufgefunden. Experten vermuten aus der Lage der Toten, daß der Überlebenskampf Tage gedauer haben muß.
- Leichtsinnig.
Grenzenloser Leichtsinn, unzureichende Ausrüstung und mangelhafte Ortskenntnis führten am 19.11.1996 zum Tod des Deutschen Horst P. (53 Jahre alt). P. war mit seinem Kollegen Erhardt R. (48 Jahre alt) am Stubaier Gletscher im Bereich der "Wilden Grube" in gesperrtes, steiles und extrem lawinengefährdetes Gebiet eingefahren. Als Orientierungshilfe verwendete er die Skizze auf der Liftkartenrückseite. In 2.800 Meter Seehöhe querten sie einen Hang, wobei sie ein 80 Meter breites Schneebrett auslösten, das beide Männer verschüttete und ca. 60 Meter mitriß. Erhard R. konnte sich selbst befreien. Horst P. wurde metertief verschüttet und konnte von den alarmierten Hilfsmannschaften nur mehr tot geborgen werden.
- Alleinfahrt.
Norman H., 27-jähriger Schweizer, war am 30.12.1996 als Tagesgast mit Freunden im Schigebiet Silvretta-Nova unterwegs. Gegen 16.30h trennte er sich von seinen Begleitern und wollte allein zur Talstation vorfahren. Im Bereich des Ganda-Waldes verließ H. > trotz deutlich sichtbar afgestellter Warntafeln und Absperrbänder > die markierte Piste und geriet dadurch in eis- und felsdurchsetztes, teils auch aperes, Waldgelände. Dabei ist er in das sogenannte Fallries abgestürzt. Gegen 20 Uhr wurde er von 13 Bergrettungsleuten schwer verletzt geborgen und abtransportiert.
- Eisklettern.
Zwei bayrische Kletterer, Christoph K (22) und Stefan S. (55) wollten einen Eiswasserfall nahe dem Felbertauerntunnel durchsteigen. Doch durch die Kälte gefrohr ein Seil, sodaß sie nicht mehr weiter konnten. Bis nach Mitternacht mußten die Beiden bei Temperaturen um minus 20 Grad regungslos ausharren, bis sie von einer Rettungsmannschaft in Sicherheit gebracht werden konnten.
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