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Ausrutschen auf Schneefeldern

In diesem Jahr ist bei den Wanderungen und Bergtouren besondere Vorsicht geboten: Heuer liegt auf den Bergen noch viel Schnee. Darum warnt das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit alle Bergsportler vor dem Absturzrisiko beim Begehen von Altschneefeldern.
Bei Bergtouren im Frühjahr oder Frühsommer können Wege oberhalb der Waldgrenze vor allem nordseitig noch lange bis in den Sommer abschnittsweise von Schneefeldern zugedeckt sein. Eine auch oft von erfahrenen Berggehern unterschätze Gefahr, erklärt Gabl, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit.
 
Verhalten der Situation anpassen
Im Idealfall sollte ein Schneefeld umgangen werden, wenn nicht daneben ein unwegsames oder gar absturzgefährdetes Gelände, rät Gabl, „Im Zweifelsfall muss eine Tour abgebrochen oder umdrehet werden. Vor allem wenn die entsprechende Ausrüstung oder Erfahrung über das Queren von Schneefeldern fehlt“, so der Experte weiter.
Muss ein Hang gequert werden, so sollten mindestens die oberen zehn Zentimeter der Schneedecke aufgeweicht sein, damit man Tritte in den Schnee hacken kann. Dazu ist ein guter Bergwanderschuh eine absolute Voraussetzung. Nur wirklich bergtaugliches, nämlich festes Schuhwerk mit einer ordentlichen Profilsohle sollte hier zum Einsatz kommen. Gabl rät, selbst auch Berg- und Skiführer: „bemerkt man bereits bei den ersten Schritten, dass diese nicht wirklich sicher sind, sollte man sofort abbrechen und umdrehen.“
Stöcke unterstützen eine gute Lage des Schwerpunktes gerade über den Füssen und können das Begehen von Schneefeldern erleichtern. Bei einem Ausrutscher nützen sie nichts mehr. In solchen Situationen können Wanderstöcke ein trügerisches Gefühl von Sicherheit vortäuschen - viel besser sind hingegen die im Fachhandel angebotenen Grödel bzw. Spikes oder gar Leichtsteigeisen aus Aluminium, welche das Abrutschen im harten Schnee oder Sommerfirn unterbinden sollen.

Wirklich sicher unterwegs ist man auf harten Altschneefeldern nur mit Steigeisen und (Leicht-)Pickel, welche man beim Bergwandern eher nicht dabei hat. Beim Begehen eines Schneefeldes gibt auch ein spitzer Stein in den Händen etwas Halt. Er kann Pickel und Steigeisen aber nicht ersetzen. Viel wichtiger erscheint es Gabl auch die Exposition bei der Tourenplanung zu berücksichtigen: „wechselt die geplante Route beispielsweise von der sonnigen, harmlosen Südseite auf Nord, so kann ein Wanderweg schnell durch hartgefrorenen Altschnee zu einer bergsteigerischen anspruchsvollen Flanke werden.“
 
Richtig agieren im Notfall
Generell sollte man vor dem Queren eines jeden Schneefeldes, auch wenn es noch so lächerlich erscheinen mag, Handschuhe anziehen. Die Kristallstruktur des Altschnees bzw. Sommerfirns ist sehr scharfkantig und führt schnell zu schmerzhaften Verletzungen an den Händen. Ein weiteres Reagieren ist dann oft unmöglich und gerade das ist überlebensentscheidend. Entscheidend ist es unmittelbar nach dem Ausrutschen gleich in Bauchlage und in eine Art Liegestützstellung zu kommen. Nur so kann man effektiv abbremsen, bevor die Geschwindigkeit zu groß wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass man auf einem harten, 40 Grad steilen Firnfeld bereits nach ein paar Metern annähernd dieselbe Geschwindigkeit wie im freien Fall erreicht. „Derartige Stürze sind nicht mehr aufzuhalten“, so der Experte.
 

Weiterführender Link:

Mit der Wanderfibel des Kuratoriums gut gerüstet in die Wandersaison.
 

Stand: 24.05.2016 / Fotos: Volker Weinberg