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Fahrerflucht auf der Skipiste: kein Kavaliersdelikt!

Wien, Innsbruck, 8.2.2010. ca. 90 % der Ski- und Snowboardunfälle im organisierten Skiraum sind selbstverschuldet. Nur ein sehr geringer Teil der Pistenunfälle ist somit auf den Zusammenprall zwischen zwei Wintersportlern zurückzuführen. Dennoch werfen Kollisionen auf Skipisten Fragen nach dem Verschulden auf: viele Wintersportler versuchen dieser Verantwortung zu entgehen, indem sie Fahrerflucht begehen.

 

294 Fahrfluchtunfälle in der aktuellen Saison – bis jetzt, aber um 20% weniger als im Vorjahr


Durchschnittlich 20-25 % der von der Alpinpolizei erhobenen Unfälle sind Fahrerfluchtunfälle. In der aktuellen Saison wurden bisher von der Alpinpolizei 307 Fahrerfluchtunfälle erhoben. Laut Hans Ebner, Leiter des Alpindienstes im Innenministerium, ist dies nicht Außergewöhnliches: „In der Saison 2008/09 handelte es sich bei 22,4 % der Unfälle um Fahrerfluchtunfälle, 2009/10 23,8 % und aktuell 23,2 %. In absoluten Zahlen beobachten wir sogar einen Rückgang.“ Im Zeitraum von letzten November bis Mitte Jänner dieses Jahres ereigneten sich heuer 195 Fahrerfluchtunfälle, im Vorjahr waren es 242 und in der Saison 2008/09 immerhin 292 Kollisionen mit Fahrerflucht.
 
 

Nicht nur moralisch bedenklich, sondern auch strafbar!


Wer einen Verletzten nicht Erste Hilfe leistet, handelt nicht nur moralisch bedenklich, sondern begeht auch eine Straftat: einerseits ist „Imstichlassen eines Verletzten“ (§ 94 StGB – Strafrahmen nach Abs. 1 ein Jahr, bei schwerer Körperverletzung zwei Jahre) wenn jemand eine Körperverletzung verursacht und den Verletzten nicht hilft.
Andererseits steht auch „Unterlassen der Hilfeleistung“ (§ 95 StGB Strafrahmen 6 Monate) unter Strafe, wer es bei einem Unglücksfall (…) unterlässt, die zur Rettung eines Menschen (…) offensichtlich erforderliche Hilfe zu leisten, betrifft also auch Zeugen und am Unfall Unbeteiligte.
 

Zivilcourage erlaubt: das private Anhalterecht


Auch Zeugen haben die Möglichkeit, etwas gegen Fahrerflüchtige zu unternehmen. § 80 der Strafprozessordnung besagt, dass jedermann berechtigt ist, diese Person auf verhältnismäßige Weise anzuhalten, jedoch unverzüglichen Anzeige bei der Polizei  erstatten muss, wenn auf Grund bestimmter Tatsachen angenommen werden kann, dass eine Person eine strafbare Handlung (…) unmittelbar zuvor ausgeführt habe oder dass wegen der Begehung einer strafbaren Handlung nach ihr gefahndet werde.
 

Was tun im Falle eines Unfalles?


FIS-Regel 9 und 10 geben eine Anleitung: bei Unfällen ist jeder zur Hilfeleistung verpflichtet und jeder Skifahrer, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben. Laut Karl Gabl, Präsident des österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, ist der Großteil der Wintersportler bereit, bei einem Unfall den Verletzten zu helfen. Eine Minderheit flüchtet jedoch, häufig aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Diese sind jedoch umso schwerwiegender, wenn ein Fahrerflüchtiger von der Polizei gefasst wird. In der letzten Wintersaison wurden über 50 Millionen Skifahrer auf Österreichs Pisten gezählt, aber glücklicherweise nur 829 Fahrerfluchtunfälle, was ziemlich genau einem Promill entspricht.
 

Telefonnummer oder Visitenkarte austauschen


Ein weiteres Problem stellt in vielen Fällen die „unabsichtliche“ Fahrerflucht dar: zwei Wintersportler kollidieren miteinander, nach einemersten Meinungsaustausch sind beide unverletzt und fahren weiter. Erst im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass eine Person verletzt ist und begibt sich in ärztliche Behandlung, wodurch automatisch  - aufgrund des Unfallgeschehens - bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt erstattet wird.. Deshalb geht der Rat an alle Wintersportler im Falle einer Kollision – unabhängig ob verletzt oder unverletzt – Visitenkarte oder zumindest Telefonnummer und Name auszutauschen, so Hans Ebner von der Alpinpolizei.
 

Rückfragehinweis:
Leiter der Alpinpolizei im Bundesministerium für Inneres:
Obst. Hans EBNER, Tel. +43 664 2551398
 
Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit
Dr. Karl GABL, Tel.: +43 664 2100879