Menü
Line

Gewitter und Berg – für Alpinisten eine potentiell tödliche Kombination!

Die letzten Wochen waren meteorologisch von starken Gewittern geprägt. Auch wenn vielleicht die Anzahl der Blitze nicht überdurchschnittlich war, so ist die Intensität der Gewitter doch bemerkenswert gewesen.
Während normalerweise die meisten Blitze zwischen 17.00 und 18.00 Uhr über den Himmel fegen, waren in letzter Zeit starke Gewitter bereits am späten Vormittag bzw. ab Mittag keine Seltenheit. Dies ist natürlich für uns Bergsportler besonders beachtenswert.
 
Die Hauptgewittersaison ist im Schnitt von Mitte Mai bis Anfang September, wobei der Juli der gewitterreichste Monat ist (gefolgt von August und Juni). Dass der Aufenthalt am Berg bei Gewittern lebensgefährlich ist, dürfte kein großes Geheimnis mehr sein. Doch was tun?
 
Grundsätzlich stellt sich die Gewitterfrage schon bei der Tourenplanung: die Wetterdienste weisen in ihren Berichten immer deliberiert auf mögliche Gewitter hin – insbesonders beim Bergwetter, da die Meteorologen natürlich um die Gefahr Bescheid wissen. Somit sollte die Länge der Tour – egal ob Kletterei oder Bergwanderung – auf diese Prognosen hin angepasst werden.

 

Der Wasserdampf in der Luft ist quasi das Dynamit des Himmels


Je wärmer es ist, desto mehr Wasserdampf befindet sich in der Luft und umso leichter können sich Gewitter entwickeln. Ist man unterwegs, sollten Bergsportler den Himmel und insbesonders die Wolken im Auge behalten: werden diese nämlich allmählich höher wie breit, so ist das ein sicheres Anzeichen, dass es sich um Gewitterwolken (sog. Cumulonimbus) handelt. Hat diese Wolke schon die typische Amboss-Form so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es demnächst unter dieser Wolke zu gewittern beginnt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Gewitter auch sehr lokal und kleinräumig sein können. D.h. auch wenn der Himmel komplett blau ist, kann hinter einem Grat oder Kamm eine Gewitterwolke lauern, die einem das Leben zur Hölle macht.

Praxistipp


Die Entfernung zu einem Gewitter lässt sich leicht berechnen, indem man die vergangenen Sekunden zwischen Blitz und Donner durch drei dividiert und schon hat man den Abstand in Kilometern – wiederholt man das ganze nach ein paar Minuten, kann man feststellen, ob sich das Gewitter von einem weg bewegt oder nähert.



Was tun wenn ein Gewitter am Berg droht?


Wichtig ist, dass man so schnell wie möglich von exponierten Stellen, wie Grate oder Gipfeln herunter in die Flanken gelangt. Besonders Klettersteige, welche bei Gewitter nichts anderes als einen großen Blitzableiter darstellen, sollten so schnell wie möglich verlassen werden. Nicht unter einzelnen Bäumen oder Behausungen ohne Blitzableiter, wie etwa Heustadl, Zuflucht suchen, auch wenn diese bequem und trocken erscheinen. Ebenso wenig sollte man sich neben allen blitzleitenden Dingen, wie Gipfelkreuze, Wegweisern, Seilbahnseilen aber auch Bachläufen aufhalten.
 
Befindet man sich schon mitten im Gewitter und ein Entkommen ist unausweichlich, so sollte man sich auf den Boden niederkauern (aber niemals hinlegen!), Füße möglichst eng aneinander und auf den Rucksack setzen – ev. Biwaksack darüber und in dieser Kauerstellung ausharren, bis das Gewitter vorüber gezogen ist. In einer Gruppe möglichst nicht nebeneinander, sondern großzügig Abstand halten.

Mehr zum Thema Blitzunfälle findet man im analyse:berg – Sommer 2011