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Jahresbilanz: 2013 keine bemerkenswerte Steigerungen bei der Anzahl an Alpinunfälle und Alpintoten

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge zieht das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit Jahresbilanz: ersteres, weil jeder Alpintote einer zu viel ist und hinter jedem dieser Unfälle ein tragischer Schicksalsschlag steht – lachend weil die Zahlen trotz Tourismusrekorden nicht signifikant angestiegen sind.
 

Im langjährigen Schnitt verzeichnet die Alpinpolizei ca. 11.000 Alpinunfälle pro Jahr in Österreichs Bergen – davon enden ungefähr 300 tödlich. Auch im Jahr 2013 blieben die Unfallzahlen mit 10.998 verunfallten Personen und 294 Todesopfern knapp unter den statistischen Mittelwerten und befinden sich in etwa im Niveau des Vorjahres.
Dass die Zahlen nicht angestiegen sind, ist alles andere als selbstverständlich, schließlich konnte die heimische Tourismuswirtschaft sowohl in der Wintersaison, als auch im Sommer Rekordnächtigungen verbuchen und Hauptkriterium für einen Urlaub in Österreich ist nun mal Bergsport: alpiner Skilauf und immer mehr der freie Skiraum im Winter, bzw. Wandern und Bergsteigen im Sommer. Je mehr Leute unterwegs sind, desto mehr passiert, so die Alpinunfallforscher des Kuratoriums für alpine Sicherheit – hier lässt sich ein vergleich mit dem Straßenverkehr ziehen: je stärker eien Straße befahren ist, desto höher sind die Unfallzahlen auf dieser.
 
 Ein einheimischer Bergsteiger rutschte gestern am Hafelekar oberhalb von Innsbruck beim Queren eines Altschneefeldes aus und stürzte über eine steile mit Fels und Schotter durchsetzte Rinne ca. 400 Meter tödlich ab. Leider ist dies ein recht häufiges Unfallmuster bei Bergwanderungen bzw. Bergtouren im Frühjahr: Wege oberhalb der Waldgrenze können vor allem nordseitig noch lange bis in den Sommer abschnittsweise von Schneefeldern zugedeckt sein und stellen eine – auch von Erfahrenen Berggehern - oft unterschätzte Gefahr da.
 


Verhalten der Situation anpassen


Im Idealfall sollte man ein Schneefeld umgangen werden, wenn nicht daneben ein unwegsames oder gar absturzgefährdetes Gelände lauert rät Karl Gabl, Präsident des Österreichischen Kuratoriums für alpine Sicherheit. „Im Zweifelsfall muss eine Tour abgebrochen oder umdrehet werden. Vor allem wenn die entsprechende Ausrüstung oder Erfahrung über das Queren von Schneefeldern fehlt“ so der Experte weiter
"Zum sicheren Queren sollten mindestens die oberen zehn Zentimeter der Schneedecke aufgeweicht sein, damit man auch wirklich Tritte in den Schnee hacken kann", rät Michael Larcher, vom Österreichischen Alpenverein und Alfred Leitgeb Bergsportexperte bei den Naturfreunden fügt hinzu: "wirklich bergtaugliches, nämlich festes Schuhwerk mit einer ordentlichen Profilsohle ist dafür natürlich eine absolute Voraussetzung.“ Merkt man jedoch bereits bei den ersten Schritten, dass diese nicht wirklich sicher sind, sollte man sofort abbrechen und umdrehen.  
Wanderstöcke können in solchen Situationen ein oft eher trügerisches Gefühl von Sicherheit vortäuschen - viel besser sind hingegen die im Fachhandel angebotenen Grödel bzw. Spikes oder gar Leichtsteigeisen aus Aluminium, welche das Abrutschen im harten Sommerfirn unterbinden sollen. Robert Span, vom Österr. Berg- und Skiführerverband: „wirklich sicher unterwegs auf harten Altschneefeldern ist man eigentlich nur mit Steigeisen und (Leicht-) Pickel, welche man beim Bergwandern im Normalfall eher nicht dabei hat. Deshalb ist es besonders wichtig, bei der Tourenplanung auch die Exposition zu berücksichtigen: wechselt die geplante Route beispielsweise von der sonnigen, harmlosen Südseite auf Nord, so kann ein einfacher Wanderweg schnell durch hartgefrorenen Altschnee zu einer bergsteigerisch wirklich anspruchsvollen Flanke werden.“
 

Richtig agieren im Notfall


Generell sollte man vor dem queren eines jeden Schneefeldes – auch wenn es noch so lächerlich erscheinen mag - Handschuhe anziehen, denn die Kristallstruktur des Altschnees bzw. Sommerfirns ist sehr scharfkantig und führt sehr schnell zu schmerzhaften Verletzungen an den Händen, die ein weiteres Reagieren oft unmöglich machen und gerade das ist überlebensentscheidend. Peter Veider, Ausbildungsleiter und Geschäftsführer der Bergrettung Tirol: „entscheidend ist es, unmittelbar nach dem Ausrutschen gleich in Bauchlage und in eine Art Liegestützstellung zu kommen, denn nur so kann man effektiv abbremsen, bevor die Geschwindigkeit zu groß wird. Tests haben eindrücklich gezeigt, dass man auf einem harten, 40 Grad steilen Firnfeld bereits nach ein paar Metern annähernd die selbe Geschwindigkeit wie im freien Fall erreicht und solche Stürze lassen sich eigentlich nicht mehr aufhalten, wie wir leider jedes Jahr an vielen derartigen Unfällen feststellen müssen.“