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Lawinenopferzahl & Reduktionsmaßnahmen

Im Land Vorarlberg wurden in den letzten sieben Jahren durchschnittlich 19 Lawinenereignisse, welche Menschen und/oder Infrastruktur bedrohten, registriert. Immerhin rund ein Viertel dieser Lawinen ist ohne menschliches Zutun ausgelöst worden, d.h. Selbstauslösung oder Tiere waren die Auslöseursache.
Bei den Lawinenabgängen in Vorarlberg verunglücken statistisch im Durchschnitt der letzten 7 Jahre 2,86 Personen tödlich.

Wenn man die Anzahl der tödlichen Lawinenopfer Vorarlbergs über die letzten 30 Jahre hinweg analysiert, lässt sich kein Trend erkennen, dass diese Anzahl signifikant zunimmt – eher im Gegenteil, wenn man die gleitenden Mittelwerte der letzten 5 bzw. 15 Jahre heranzieht, so ist der Durschnitt sogar etwas rückläufig!
 
Aufgrund der Zahlen und eines nicht vorhandenen Trends, kann man daraus schließen, dass der allgemeine Schneedeckenaufbau in einer Wintersaison der  entscheidende Einflussfaktor für die Anzahl der Lawinenopfer in einem Winter sein muss. Diese These kann von den Experten der Lawinenwarndienste, wie Herrn Pecl in Vorarlberg, belegt werden. Somit ergeben sich daraus zwei wesentliche Erkenntnisse:
  • trotz der starken Zunahme der Wintersportler, welche sich im ungesicherten, freien Skiraum bewegen (Variantenfahrer, Freerider, Tourengeher, etc.), gibt es keinen statistisch relevanten Anstieg der Opferzahlen.

  • der Entscheidende Faktor für die Anzahl der Lawinenopfer ist der Schnee-deckenaufbau.

 
Somit ist es für jeden, der sich mit Alpinunfällen beschäftigt einfach zu erkennen, wenn wo man den Hebel ansetzen muss, will man Lawinenunfälle vermeiden: beim Wissen der Wintersportler über die vorherrschenden Verhältnisse in Bezug auf die Lawinengefahr.
 

Dazu gibt es drei wichtige Säulen in der Lawinenprävention:
 
  • Bereitstellung von benötigtem Know How:

    Grundkenntnisse über Lawinen, Schneedeckenaufbau, Gefahren erkennen, Touren/Abfahrten entsprechend planen, uvm. 
    Dazu haben ich Lawinenkurse bewährt - in Vorarlberg werden diese ebenfalls von den Alpinen Institutionen, wie OeAV, Naturfreunde, Bergrettung, usw. zahlreich angeboten – v.a. bei Jüngeren haben sich die Camps wie SAAC oder FSC in Vorarlberg sehr bewährt – in Tirol gibt es mit der Aktion „Snow How“ derzeit ein Projekt wo Lawinenwissen und –Sicherheit in den Schulen vermittelt wird. Die erfolge solcher Maßnahmen sind nachweisbar: obwohl die Anzahl der Aktiven steigt, bleiben die tödlichen Lawinenunfälle in etwa gleich bzw. nicht dieselben Steigerungsraten.
     
  • Bereitstellung tagesaktueller Informationen:

    Die Lawinenwarndienste leisten hervorragende Arbeit! Dass jeden Tag um 7.30 in der Früh der aktualisierte Lagebericht bereitgestellt wird, ist – wenn man sich auch in Europa umsieht - keine Selbstverständlichkeit. „Das bessere ist bekanntlich der Feind des Guten“ und so kann das Informationsangebot, Messstellennetz, uvm. ausgebaut werden, wenn man die notwendigen Mittel dafür bereitstellt.
     
  • Lernen aus Unfällen:

    Oft kann man aus Unfällen wertvolle Schlüsse und Erkenntnisse ziehen. Dieses neu gewonnene Wissen bringt jedoch nicht viel, wenn es nur einem kleinem Expertenkreis zugänglich bzw. vorbehalten ist - viel wichtiger ist, dass auch die breite Masse an Personen, die sich außerhalb des gesicherten Raumes (egal ob im Sommer oder im Winter) Zugang zu diesem Wissen bekommt. Das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit hat deswegen analyse:berg ins Leben gerufen, welches die oben genannten Ziele verfolgt. Eine Verbreitung der Inhalte zB. durch Ankauf von Ausgaben für Bergführer und –Retter, Tourenführer, Skilehrer, usw. wäre eine weiterer, wichtiger Stein im Präventionsmosaik…
 

Im Unterschied zu Präventionsmaßnahmen sind Sperren, Verbote und Gesetze nicht zielführend, weil:
 
  • rechtlich problematische (Wegefreiheit, etc.)
  • Umsetzung (z.B. müssten dann alle Skipisten Vorarlbergs lückenlos abgesperrt sein?)
  • Überwachung, denn ohne Exekution machen Gesetze keinen Sinn (wieviel zig Polizisten mehr  bräuchte es um sämtliche Pisten zu überwachen..)
  • Umkehrschluss: alles was nicht gesperrt ist, ist sicher?!? - Wer übernimmt die Haftung/Verantwortung für solche Entscheidungen, mit dem Hintergrund, dass es gerade beim Thema Lawinen keine 100% Sicherheit gibt (gilt dann natürlich auch für Straßen, Wege, etc.)
  • … dem Tourismusland Vorarlberg wohl nicht wirklich dienlich (Variantenmekka Arlberg,..)