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Sicher am Stand

Der tragische Unfall an der Martinswand bei Innsbruck hat leider wieder einmal gezeigt, dass - egal ob beim Mehrseillängenrouten- oder Sportklettern  - der Standplatz bzw. Umlenker einer der kritischsten Punkte in der Sicherungskette ist. Hier ein paar Sicherheitstipps dazu ...

Sauschwänze in Abseilpisten

 
Wie der eingangs erwähnte Unfall gezeigt hat, ist bei diesen nach oben offenen Systemen besondere Vorsicht geboten: gerade wenn der Selbstsicherungshaken höher als der Sauschwanz gesetzt ist, besteht die Gefahr, dass das Seil beim Heraufziehen zum Sicherungsgerät, unabsichtlich ganz oder teilweise ausgehängt wird, was den Totalabsturz zur Folge hat.
 
 
links: zwei suboptimal platzierte Haken - Sauschwanz its viel tiefer als der Selbtssicherungshaken; rechts: Gefahr des unbeabsichtigten Auhängens des Seiles, weil zum Einlegen des Abseilgerätes das Seil über die Setzhöhe gezogen werden muss.


Auch wenn dieser Hakentyp nun nicht mehr als Abseilhaken in Alpinrouten empfehlenswert ist, wird es wohl noch Jahre dauern, bis diese verschwunden sind.

Tipp: der Körper bzw. Anseilpunkt sollte möglichst weit unter dem Sauschwanz sein, sodass das Abseilgerät (Reverso, ATC, usw.) immer unterhalb des Hakens ins Seil eingehängt wird. Sollten die Haken suboptimal platziert sein, sodass der Selbstsicherungshaken weit oberhalb des Sauschwanzes liegt und dieser sich auf Hüfthöhe oder gar noch tiefer befindet, kann man die Selbstsicherungsschlinge verlängern (direkt doppelt durch den Haken, sodass man sie abziehen kann und nicht zum Aushängen wieder über den Sauschwanz steht), um in die optimale, oben beschriebene Position zu gelangen.
Zusätzlich kann jeder Sauschwanz mit einer ganz normalen Expressschlinge nachgesichert werden und diese wird erst entfernt, sobald man sich vergewissert hat, dass das Seil ordnungsgemäß eingehängt ist und man sich mit voller Belastung schon in Abseilposition befindet.

 

Wie einfache Tests gezeigt haben, können v.a. Halbseile mit Verbindungknoten unterhalb des Sauschwanzes aus diesen herausgeschüttelt werden: deswegen ist v.a. beim Abseilen durch geneigtes, schrofiges Gelände besondere Vorsicht geboten, da man hier durch das Schütteln eine optimale Position des Seiles zum Abziehen erreichen will.

IQ-Haken




Ursprünglich als Innovation gefeiert, aber aufgrund mehrerer Unfälle durch Anwendungsfehler wieder eingestellt und ausgetauscht, begegnen einem trotzdem hier und da noch immer diese Teile am Fels.
Die Problematik ist ähnlich jene des Sauschwanzes: befindet sich der Anseilpunkt über dem Haken, ist ein Aushängen des Seils möglich – nur ist dies hier noch leichter.

 
 
Gefahr beim IQ: Kletterer quert mit dem Seil über dem Haken 
 

Deswegen sollte man bei diesem Haken ebenfalls mittels einem Karabiner eine Redundanz herstellen und diese erst lösen, sobald man sich mit dem Schwerpunkt bei voller Abseilbelastung unterhalb des Hakens befindet.

 

Die Gefahr des Selbstaushängens kann beim IQ mit einem Verschlusskarabiner entschärft werden

 

Umlenker im Klettergarten bzw. beim Sportklettern


Obige Hakentypen trifft man auch im Klettergarten an, wobei man hier mit zwei ganz einfachen Regeln das Risiko des unbeabsichtigten Seilaushängen wesentlich verringern kann (natürlich beziehen diese sich in erster Linie aufs Top-Rope-Klettern, da im Vorstieg durch die Zwischensicherungen zusätzliche Sicherheit geschaffen wird).


1. Nicht über den Umlenker hinausklettern

Wie hier schon mehrmals erwähnt, steigt das Risiko vor allem dann, wenn man sich mit dem Anseilpunkt (in der Regel Hüfthöhe) über dem letzten, eingehängten Haken befindet. Deswegen sollte man es im Nachstieg unterhalb des Umlenkens einfach gut sein lassen und nicht noch schnell zum Henkel oberhalb des Hakens rauf oder über die Kante schauen, etc.

2. Redundanz schaffen

 

Top-Rope möglichst nie an nur einem Fixpunkt Umlenken
 

Nur an einem einzigen Haken gesichert klettern ist nie wirklich gut! Deswegen sollte das Seil auch im Top Rope immer mindestens durch zwei Fixpunkte laufen: besteht der Umlenker nur aus einem einzigen Haken, so sollte man die letzte Zwischensicherung eingehängt lassen, wobei man diese ins Seil, welches direkt zum Sicherungsgerät führt, umhängt. Der Nachsteiger nimmt diese Schlinge aber erst beim Ablassen mit.

 

Beispiele für einfache Redundanz bei Umlenkern


Natürlich ist es kein Nachteil, wenn man den Umlenker selbst – egal ob Sauschwanz, IQ oder fix installierter Karabiner - ebenfalls nochmals hintersichert (Sauschwanz und IQ – siehe oben).
 

3. Ablassen und Topropen

Zu guter Letzt soll noch dieser Unterschied und die Auswirkung auf die Umlenker dargestellt werden: Ablassen ist das einmalige Klettern einer Route und im Anschluss wird das Seil abgezogen. Topropen hingegen ist das mehrmalige Klettern einer Route im Nachstieg hintereinander (muss nicht immer dieselbe Person sein). Dieser Unterschied mag jetzt marginal erscheinen, macht jedoch einen wesentlichen Unterschied für die Umlenker: das Seil mit den winzigen, darin enthaltenen Schmutzteilchen (Sand, etc.) schleift Rillen in die Umlenker (auf Dauer auch bei Stahl!), welche diese natürlich schwächen und deren Haltekraft reduzieren. Durch mehrmaliges Topropen wird dieser Prozess natürlich stark beschleunigt und irgendwann ist auch der dickste Umlenker durchgeschliffen.
 

die Verwendeung eigener Verschlusskarabiner zur Umlenkung beim mehrmaligen Topropen einer Route schont die Abseilvorrichtung enorm (Ring, Karabiner, Sauschwanz, udgl.)


Wem diese Empfehlungen nun unklar sind, der sollte unbedingt einen Ausbildung bzw. ein Update  im Bereich Seil- und Sicherungstechnik machen - derartige Ausbildungen werden zahlreich in ganz Österreich von allen alpinen Institutionen (Alpenverein, Naturfreunde, Bergrettung, Bergsteiger- und Kletterschulen, etc.) angeboten.