Menü
Line

Sorgfältige Routenplanung und Notfallausrüstung auch beim Variantenfahren!

Durchschnittlich gibt es in Österreich ca. 100 Lawinenunfälle, dabei leider um die 30 Personen ums Leben kommen, wobei alleine ein Drittel der Opfer beim Variantenfahren zu beklagen ist. Selbst wenn man sich in der Nähe der Skigebiete bewegt, ist man dennoch im freien ungesicherten Skiraum unterwegs: sorgfältige Routenplanung und die Mitführen von Notfallausrüstung - wie es beim Skitourengehen Standard ist – sind auch beim Variantenfahren unabdinglich!
 

Routenplanung und Lawinenlagebericht


Bereits lange bevor die ersten Lifte öffnen, wurde von den Experten der Lawinenwarndienste der aktuelle Lawinenlagebericht (LLB) erstellt. Hier sollte man nicht nur die Warnstufe beachten, sondern viel mehr auch die Beschreibungen und Einschätzungen der Experten lesen: hier findet man sehr detaillierte Infos über den Schneedeckenaufbau, Störschichten und derzeit typisch vorherrschende Gefahrenstellen bzw. – Muster.
Mit der Berücksichtigung der im LLB beschriebenen Schwachstellen, lassen sich schon viele Gefahrenmuster im Gelände erkennen und bei entsprechender Anpassung der Routenwahl, kann das Risiko eines Lawinenabganges mit Personenbeteiligung bereits erheblich reduziert werden!
Noch nie war es so leicht wie heute, an den aktuellen Lagebricht zu kommen: neben den „Klassikern“ wie Radio, Aushang in den Liftstationen oder Internet (ja das ist jetzt auch schon „oldschool“), gibt es zahlreiche Apps, womit man den aktuellen, örtlichen Lagebericht jederzeit am Smartphone abrufen kann. Zudem bieten diese elektronischen Wunderwerke zahlreiche nützliche Zusatzfeatures, wie Hangneigungs- und Höhenmesser, Kompass und vieles mehr.
Wie bereits eingangs erwähnt, befindet man sich beim Variantenfahren – auch wenn die nächste Seilbahn in Sichtweite ist – im freien, ungesicherten Skiraum. Das bedeutet, dass das Gelände weder vor Lawinenabgängen gesichert ist, noch dass es Kontrollfahrten oder Ähnliches von Seiten der Bergbahnen, oder Bergrettung gibt. Personen die also in den freien ungesicherten Skiraum einfahren, handeln eigenverantwortlich! Eigenverantwortung bedeutet auch, dass ich mich auf den (hoffentlich totzdem nie eintretenden) Notfall Lawine vorbereitet bin: somit ist die klassische Lawinennotfallausrüstung (Lawinenverschüttetensuchgerät - LVS, Schaufel, Sonde, Handy) ebenso unabdingbar, wie die richtige, schnelle Handhabung dieser, denn besonders hier gilt „Zeit ist Leben“!
 

Zusätzliche Ausrüstung für Variantenfahrer (oder auf Neu-Deutsch: Freerider)


Gerade beim Variantenfahren, wo der Großteil des Aufstieges mit Liftunterstützung erfolgt, ist das Gewicht ein eher zu vernachlässigender Faktor. Deshalb sollte man einen Skihelm hier auch schon zur Standardausrüstung zählen - wer sich schon mal auf Youtube&Co einschlägige Videos angesehen hat, wird sicherlich zustimmen, dass die Teile heutzutage auch wirklich cool aussehen und für sich selbst schon ein modisches Accessoir darstellen und mit der „Calimero-Schüssel“ von einst wirklich gar nichts mehr gemein haben.
In diese Kategorie „fast schon Standard-Ausrüstung“ für Variantenfahrer fallen auch die Lawinen-Airbags: „oben bleiben heißt überleben“ und wenn auch diese Systeme nicht zu 100% garantieren, dass man immer oben beleibt bzw. überlebt, erhöhen diese die Wahrscheinlichkeit dafür signifikant! Mittlerweile gibt es mehrere Hersteller am Markt, welche alle unterschiedliche Vor- und Nachteile bieten und man hat als Konsument die Qual der Wahl. Wie auch immer die Industrie argumentiert, es ist egal für welchen Anbieter man sich entscheidet, weil es immer besser ist, als gar keinen Airbag-Rucksack zu haben!
In der Notfall-Ausrüstungs-Hierarchie einen Stock tiefer angesiedelt ist die sog. „Avalung“: ein System welches das Atmen unter der Lawine verbessert. Im Unterscheid zum Airbag-Ansatz, versucht die Avalung (welche derzeit nur von einem Hersteller angeboten wird) nicht die Verschüttung zu verhindern, sondern erleichtert „nur“ die Sauerstoffaufnahme unterm Schnee. Trotzdem, immer noch viel, viel besser, als gar nichts Derartiges mitzuführen und in Kombination mit einem Lawinenairbag sicher ein „Dream-Team“.


Wie schon bei den Helmen, nehmen auch auf dem Sektor Protektoren, die Youngsters eine absolute Vorreiterrolle ein: diese sind in der Szene nämlich schon längst angesagt, Rückenprotektor sind sowieso Standard und nicht wenige tragen die moderne Variante einer Ritterrüstung unterm Anorak. Sicherlich nicht zu Unrecht, wird doch immer schneller durch Wälder (auch eine Konfrontation mit Bäumen, Baumstümpfen und Ästen sind bei entsprechender Geschwindigkeit kein Spaß) gesurft und immer steilere und felsdurchsetztere Hänge befahren, wie leider auch die Traumaunfallstatistik im Variantenbereich zeigt…