Menü
Line

Queren von Schneefeldern & Ausrutschen auf Schneefeldern & Gefahr von Nassschneelawinen.

Viele Wanderer packen am verlängerten Pfingstwochenende 2019 ihre Wanderschuhe aus. Es ist aber Vorsicht geboten. Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit und der Tiroler Sportartikelhandel  der Wirtschaftskammer in Tirol warnen alle Bergsportler ausdrücklich vor dem Absturzrisiko und dem Ausrutschen beim Queren und Begehen von Altschneefeldern sowie vor immer noch möglichen Nassschneelawinen.

IIm heurigen Frühjahr und Frühsommer ist ab ca. 1.800 Meter noch eine geschlossene Schneedecke anzutreffen. Auch unterhalb dieser Höhenlage sind noch zahlreiche Wege und zu querende Gräben in allen Expositionen zum Teil noch mit Schnee gefüllt. Wer sich oberhalb der Waldgrenze bewegt wird auf seiner Wanderung früher oder später in die Verlegenheit kommen, ein Schneefeld Queren zu müssen. „Schneefelder sind eine auch von erfahrenen Berggehern oft unterschätze Gefahr“, erklärt Karl Gabl, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit.

„Untersuchungen des renommierten DAV-Sicherheitsforschers Pit Schubert haben gezeigt, dass rutschende Bergsteiger auf einem harten, 40 Grad steilen Firn-/Schneefeld schon nach wenigen Metern annähernd dieselbe Geschwindigkeit erreichen wie im freien Fall“, erklärt der Experte die Gefahr. Jedes Jahr kommt es bei der Querung von Schneefeldern deshalb zu schwerwiegenden Unfällen, bei denen sich Berggeher sogar tödliche Verletzungen zuziehen. In diesem Frühjahr ereigneten sich schon mehrere tödliche Unfälle.

Auch das Queren von schneegefüllten Bächen kann lebensgefährlich sein! Die darüber befindlichen Schneefelder sind oftmals stark unterspült und können durch das Eigengewicht einer Person einbrechen. Zudem warnt Gabl vor Nassschneelawinen. Am vergangenen Wochenende wurde im benachbarten Bayern eine vierköpfige Familie in etwa 1.600 Metern Seehöhe von einer Lawine mitgerissen und teilweise verschüttet.
 
Verhalten der Situation anpassen
Der Rat von Gabl, selbst Berg- und Skiführer: „Schon bei der Tourenplanung sollte die Route entsprechend gewählt werden. Es ist unbedingt anzuraten sich über den aktuellen Zustand der Wege sowie über die Begehbarkeit bei lokalen Tourismusverbänden oder den Hüttenbetreibern zu informieren. Aktuelle Hinweisschilder wie Lawinensperren, Wegsperren für z. B. Forstarbeiten oder Wegerhaltung sowie Verlaufsänderungen der Wege bzw. Hüttenzustiege sollte unbedingt Folge geleistet werden.“

Wechselt die geplante Route beispielsweise von der sonnigen Südseite auf Nord, kann ein aperer Wanderweg aufgrund von hartgefrorenem Altschnee innerhalb weniger Meter zu einer bergsteigerisch anspruchsvollen Flanke werden. Entsprechend sei die Ausrüstung anzupassen. Im Zweifelsfall müsse eine Tour abgebrochen werden. „Wenn die entsprechende Ausrüstung fehlt und auch die Erfahrung für das Queren von Schneefeldern nicht vorhanden ist, sollten Bergsteiger kein unnötiges Risiko eingehen und unbedingt umkehren“, rät Gabl.

„Um das Abrutschen im harten Schnee oder Sommerfirn zu verhindern, sind die im Fachhandel angebotenen Leichtsteigeisen aus Aluminium oder Grödel bzw. Spikes empfehlenswert“, lt. Katrin Brugger, Obfrau des Tiroler Sportartikelhandels der Wirtschaftskammer Tirol.  Auf harten Altschneefeldern sollten Bergsteiger und Wanderer unbedingt Steigeisen und Pickel benutzen. „Stöcke unterstützen zwar eine gute Lage des Schwerpunktes und können das Begehen von Schneefeldern erleichtern, sie können aber ein trügerisches Gefühl der Sicherheit vortäuschen." Kommt der Bergsteiger ins Rutschen geben sie keinerlei Sicherheit.
 
Richtig agieren im Notfall
Generell sollten Bergsteiger und Wanderer vor dem Queren eines Schneefeldes Handschuhe anziehen. Die Kristallstruktur von Altschnee und Sommerfirn ist sehr scharfkantig und führt schnell zu schmerzhaften Verletzungen an den Händen. Entscheidend ist, unmittelbar nach dem Ausrutschen gleich in Bauchlage und in eine Art Liegestützstellung zu kommen. Nur so kann man effektiv abbremsen, bevor die Geschwindigkeit zu groß wird.
 



Publikationen:

Die neue Ausgabe von analyse:berg – jahrbuch Sommer 2019 liegt vor und kann ab sofort bestellt werden: www.alpinesicherheit.at/de/analyse-berg-Sommer-2019/

 

Mit der alpinfibel:reihe wie Wandern, Erste Hilfe, Klettersteig, Sportklettern u. a. Fibeln gut gerüstet in den Sommer: www.alpinesicherheit.at/de/fibeln/

 


Experteninterview:

Prof. Dr. Karl Gabl, Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, staatl. gepr. Berg- und Skiführer, Meteorologe, Tel. +43 664 2100879



Stand/Aktualisierung: 07.06./18.06.2019 - Foto News und Seite: © Volker Weinberg 
Wir verwenden Cookies um Nutzung und Präferenzen der Besucher auszuwerten. Datenschutzrichtlinien   OK