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Mountainbiken in Zahlen

Es gibt wohl kaum eine Breitensportart, die derzeit so boomt wie das Mountainbiken. Das Biken findet in allen Facetten (Trails, Downhill, Uphill etc.) und mit den unterschiedlichsten Rädern statt (E-Bike, Fatbike, Crossbike etc.). Damit ist es an der Zeit, hier die entsprechende Unfallstatistik abzubilden. Beim Biken wird meist nur bei schweren Verletzungen wie z. B. an Kopf bzw. Wirbelsäule oder bei tödlichen Unfällen ein alpiner Notruf abgesetzt. Diese gemeldeten Unfälle werden von der Alpinpolizei dokumentiert und hier beschrieben.

Verunfallte und Betätigung: Im Zeitraum 01.11.2017 bis 31.10.2018 verunglückten 9 Biker tödlich (Mittel 10 Jahre: 5 Tote pro Jahr) und 686 Personen wurden als verletzt registriert. Trotz vermutlich deutlich mehr Bike-Tagen zeigt sich in den letzten 10 Jahren erfreulicherweise keine signifikante Zunahme bei den TodesfällenAnders bei den Verletzten, deren Anzahl in den letzten 10 Jahren hochsignifikant angestiegen ist, von jährlich 286 in der ersten Hälfte der Periode (01.11.2008 bis 31.10.2013) auf jährlich 534 in der zweiten Hälfte (01.11.2013 bis 31.10.2018).
 
Außer bei den Todesfällen ereignen sich Bikeunfälle fast immer auf der Abfahrt: von den 706 registrierten Bikern (Tote, Verletzte, Unverletzte) betraf dies 86 % und nur 4 % im Aufstieg. Bei 10 % der Verunfallten (Tote, Verletzte, Unverletzte) war die Fahrtrichtung unbekannt oder flach. Eine Sicherheitsausrüstung, wie Helm, Protektoren etc. ist beim Biken unbedingt zu empfehlen. Auch ein professionell geführtes Fahrtraining für E-Bikes und auf Trails ist für Neulinge, aber auch Fortgeschrittene in Betracht zu ziehen. Mehr zum Thema E-Biken und Sicherheitsempfehlungen beim Biken beschreibt der Bike-Experte Christoph Malin in der brandneuen Ausgabe von analyse:berg - jahrbuch Sommer 2019
Tote und Verletzte MTB - 2008 bis 2018
Grafik © Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit
Geschlecht und Alter: Männer stellen im langjährigen Mittel mit 81 % den Großteil der Verunfallten (Tote, Verletzte, Unverletzte) dar. Beim Biken ist keine Verschiebung hin zu mehr Männern auszumachen, Biken boomt also bei beiden Geschlechtern gleichermaßen. Trotzdem verstarben in den letzten 10 Jahren beim Biken insgesamt 54 Männerund keine einzige Frau. Wie in keiner anderen Bergsportdisziplin scheint sich hier beim starken Geschlecht das höhere Risiko eines Herzinfarkts bzw. internen Notfalls, gepaart mit einer größeren Risikobereitschaft oder Selbstüberschätzung auf der Abfahrt, auszuwirken.

Die Altersverteilung der verunfallten Mountainbiker liegt im Zeitraum 01.11.2017 bis 31.10.2018 bei den 21- bis 50-Jährigen, dies entsprach in etwa dem langjährigen Mittel. Interessanterweise sind die unter 30-Jährigen weniger oft in Unfälle verwickelt als die Altersklassen darüber. Bei den Bikeunfällen mit tödlichem Ausgang dominiert im langjährigen Mittel ganz deutlich die Klasse der 51- bis 60-Jährigen. Vermutlich fällt hier jene Gruppe stärker ins Gewicht, die auch öfters ein Herz-Kreislauf-Problem erleidet. Darüber kann man jedoch lediglich spekulieren. Ein besonderes Augenmerk sollte künftig auf die E-Bikes gelegt werden. Diese ermöglichen eine bequeme Auffahrt, erfordern aber trotzdem ein entsprechendes Fahrkönnen bei der Abfahrt, was von einigen Benützern vermutlich unterschätzt wird.
Verunfallte MTB 2008 bis 2018
Grafik © Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit
Unfallursache und Unfallfolgen: Beim Biken war mehr als jeder zweite Todesfall der letzten 10 Jahre auf eine Herz-Kreislauf-Störung zurückzuführen (53 %). Tödliche Stürze waren deutlich seltener, sie betrafen jedes 6. Opfer (16 %).
 
Verletzungen dagegen wurden in den meisten Fällen (Mittel 10 Jahre: 84 %) durch Stürze verursacht. Im langjährigen Mittel liegen die schweren und lebensbedrohlichen Verletzungen bzw. Verletzungen unbestimmten Grades zusammen bei 59 % und die leichten Verletzungen bei 35 %. Im Zeitraum 01.11.2017 bis 31.10.2018 lag der Anteil der Verletzungen unbestimmten Grades oder schwer verletzten Personen im Berichtsjahr signifikant höher als bisher. Der in der Bike-Statistik ungewöhnlich hohe Anteil an Schwerstverletzten dürfte zu einem guten Teil die Folge nicht erfasster Bagatellunfälle sein, bei denen die Opfer noch selber ins Tal gefahren sind, ohne dass die alpine Rettung beansprucht werden musste. Im Vergleich mit anderen Disziplinen sind ein Nicht-Weiterkommen, Verirren usw. sind beim Biken seltener, aber eben auch nicht auszuschließen (mehr dazu in der neuen Ausgabe von analyse:berg – jahrbuch Sommer 2019). Der Anteil unverletzt geretteter Personen liegt beim Mountainbiken lediglich bei 3 % im Zehnjahresmittel.

Mehr zum Thema in der Ausgabe von analyse:berg jahrbuch Sommer 2019 mit dem Schwerpunkt Mountainbiken, Canyoning und vielen anderen interessanten Beiträgen.

Stand: 23.05.2019 - Foto News & Seite: © Christoph Malin
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