Menü
Line

Hochtouren - Gefahr Spaltensturz

Die Gefahr der Spaltenstürze darf nicht unterschätzt werden! Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit weist auf die Gefahr von Spaltenstürzen hin. Der Schneefall vom letzten Wochenende überdeckt die Spalten und die „schwachen“ Schneebrücken. „Dies kann beim Begehen von Gletschern fatale Folgen haben, Vorsicht ist geboten“, erklärt Karl Gabl, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit.

 

Insgesamt gab es im Zeitraum 1.5. bis 27.08.2018 73 Verunfallte (Tote, Verletzte, Unverletzte) auf einer Hochtour in Österreichs Bergen. 20 Personen verunfallten auf Gletschern durch Spaltenstürze (Mittel 10 Jahre: 14 Verunfallte). Eine Person kam im diesen Sommer bei einem Spaltensturz ums Leben. Im Zehnjahresmittel (1.11. 2007 bis 31.10.2017) enden 6 % der Hochtourenunfälle tödlich, 18 % jeweils mit schweren oder leichten Verletzungen und 10 % mit Verletzungen unbestimmten Grades. 46 % sind im langjährigen Schnitt unverletzt, der Rest ist unbekannt.


Die Unfallstatistik zeigt, dass Unfälle ohne Seilsicherung auf vergletscherten Gebieten meist tödlich enden. Nur ein konsequentes „Gehen am langen Seil“ kann diese Gefahr bannen, so Karl Gabl, Präsident des Kuratoriums, Meteorologe und selbst Berg- und Skiführer. Eine entsprechende Ausrüstung (Seil, Gurt, Eispickel u. a.) und das Können mit dieser umzugehen, ist unerlässlich wenn man sich auf Gletschern bewegt. Auf Kursen bei zum Beispiel alpinen Vereinen kann dies erlernt werden oder man vertraut sich einer professionellen Führung an. Bei Hochtouren muss neben der Spaltensturzgefahr auch der tageszeitlichen Erwärmung Beachtung geschenkt werden. Die Temperatur schwächt die Schneedecke über den Spalten. Ebenso steigt die Gefahr von Lawinen bzw. ist nach Schneefällen zu beachten.
 

Der Salzburger Gletscherforscher Heinz Slupetzky weist auf drei Gefahren hin:
Erstens ist die Altschneedecke auf den heimischen Gletschern fast gänzlich abgeschmolzen bzw. auch die letzten Firnfelder sind verschwunden. Durch die Windverfrachtung können Spalten zugeweht sein und Schneebrücken sind nicht stabil, d.h. vielfach zu dünn. Daher können Schneebrücken über Gletscherspalten, die beim Aufstieg und Abstieg, ohne es zu erkennen, von Alpinisten gequert werden, besonders unsicher sein.
 
Zweitens hat sich die Situation in den Nährgebieten der Gletscher geändert. In den 80er- und 90er- Jahren lagen Firnschichten aus mehreren Jahren über den Spalten, so dass diese viele sehr tragfähige Überdeckungen hatten. In den Folgejahren waren neu entstandene Spalten meist wieder zu. In den letzten Jahrzehnten sind Zehner von Metern in den Nährgebiete auf den Alpengletschern abgeschmolzen. Die Spalten sind um diese Zeit und im Herbst offen und später nur mit dem wenig tragfähigen Schnee überdeckt. Dadurch sind die Schneebrücken schwächer als bei einer verfestigten Firnbrücke, wie man sie im Frühsommer vorfindet. Die Tragfähigkeit ist stark vermindert.
 
Drittens lässt die starke Abschmelzung bis in große Höhen instabilen Altschnee entstehen. Zudem friert in der Nacht der Schnee an der Oberfläche kaum.
 
Alle Faktoren stellen eine erhöhte potentielle Gefahr von Spaltenstürzen dar. Auch das Jahrzehnte lange Abschmelzen hat zur Folge, dass Spalten, Wasserkanäle und Gullys zum Vorschein kommen, die bisher nicht zu sehen waren. Diese werden durch den letzten Schneefall verdeckt.
 
Karl Gabl, Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit und Meteorologe, selbst Bergführer, rät deswegen, am Gletscher angeseilt unterwegs zu sein. „Bergsteiger, die in Gletscherregionen Touren unternehmen, müssen zu ihrer eigenen Sicherheit und zur Sicherheit anderer unbedingt die Seil- und Spaltenbergetechnik beherrschen, sagt Gabl.


Weiterführende Links:
Abo analyse:berg - jahrbuch Sommer oder Winter

Alpin-Fibelreihe: Erste Hilfe, Wandern, Sportklettern ...


Stand: 27.08.2018 - Fotos News & Seite: © Peter Veider - Bergrettung Tirol und Dagmar Walter - Kuratorium
Wir verwenden Cookies um Nutzung und Präferenzen der Besucher auszuwerten. Datenschutzrichtlinien   OK