Menü
Line

Wandern boomt! - Unfallzahlen Wandern

Wandern boomt! Das Bild vom klassischen Wanderer hat sich gewandelt: Immer seltener trifft man die Hardcore-Garde mit roten Strümpfen und kariertem Hemd an. Alt und Jung sind bestens ausgerüstet: Hightech- und Ultralight-Ausrüstungsgegenstände sind der Renner, egal ob man einer Wandergruppe von Senioren oder einer Familie mit Kindern in den Bergen begegnet. Immer mehr bergbegeisterte junge Menschen ziehen in die Berge bzw. sind beim Wandern anzutreffen.

Haupttodesursachen beim Wandern sind nach wie vor Sturz, Stolpern und Ausgleiten im Abstieg sowie Herz-Kreislauf-Versagen im Aufstieg. Eine wirkungsvolle Prävention könnte hier beim Erlernen des „richtigen Gehens“ im alpinen Gelände und beim Vorbereiten der eigenen Fitness ansetzen, wie z. B. ein Fitnesstraining im Winter. Großteils fehlt es auch am richtigen Umgang und Einsatz der Ausrüstung, sowie einer soliden Tourenplanung. Die Alpine Safety Area“ im Gschnitztal bietet hierfür eine gute Möglichkeit dies selbstständig oder unter professioneller Aufsicht zu erlernen. Die Statistiken und Berichte in der aktuellen Ausgabe analyse:berg – jahrbuch Sommer 2019 rund ums Thema Wandern verdeutlichen, dass auch das Wandern Gefahren mit sich bringt.
 
Im Zeitraum vom 01.11.2017 bis 31.10.2018 wurden in Österreichs Bergen 1.670 Wanderunfälle registriert mit insgesamt 2.058 Verunfallten (Tote, Verletzte, Unverletzte). 1.186 Personen verletzten sich so schwer, dass eine alpinpolizeiliche Erhebung stattfand. 779 Personen blieben unverletzt, tätigten jedoch einen alpinen Notruf, da sie blockiert waren. Für 93 Personen endete die Wanderung tödlich.
Beim Wandern und Bergsteigen ist der interne Notfall die Todesursache Nummer eins. 38 % der Alpintoten sind im Berichtsjahr und im langjährigen Mittel darauf zurückzuführen. Oftmals handelt es sich dabei um einen Herzinfarkt.
 
An zweiter Stelle der Todesursachen beim Bergsteigen folgt Sturz, Stolpern und Ausgleiten mit 29 % (Mittel 10 Jahre: 31 %). Ein kleiner Stolperer reicht oft aus, um an ausgesetzten Stellen über den Weg hinaus zu stürzen. Weitere 21 % der tödlichen Unfälle entfallen auf Abstürze im Steilgelände (Mittel 10 Jahre: 16 %). 12 % verunfallten aus diversen Gründen, wie z. B. Verirren oder Versteigen, Erschöpfung, Steinschlag, Lawine oder Erkrankung.
 
Im Zehnjahresmittel stellt Sturz, Stolpern, Ausgleiten mit 76 % die Hauptverletzungsursache beim Wandern und Bergsteigen dar (2017/18: 75 %). Mit relativ einfachen Maßnahmen wie z. B. einer vernünftigen Tourenplanung, einer richtigen Einschätzung des Eigenkönnens, körperlicher Fitness, Konditionstraining, Gleichgewichtstraining sowie angepasster Ausrüstung ließe sich vermutlich so mancher Unfall vermeiden.
Im betrachteten Zeitraum entfallen von allen tödlichen Wanderunfällen 46 % auf den Abstieg. Im langjährigen Mittel dieser Fälle ereignen sich etwa die Hälfte durch Sturz und Absturz. Bei den tödlichen Unfällen im Aufstieg sterben hingegen im Zehnjahresmittel beinahe zwei Drittel durch Herz-Kreislauf-Versagen. Die Auswertung der Verletzten im Jahr 2017/18 mit klar zuordenbarer Bewegungsrichtung zeigt, dass im Zehnjahresmittel 83 % beim Abstieg zu Schaden kommen, dies vermehrt durch Sturz, Stolpern und Ausgleite.
 
Im Jahr betrachteten Zeitraum stammen knapp die Hälfte der tödlich verunfallten Wanderer (48 %) aus Österreich, mehr als ein Drittel aus Deutschland (37 %). Bei den Verletzten führen Österreich und Deutschland mit je 43 % die Liste an. So banal wie Wandern für manchen erscheinen mag, doch der ein oder andere Kurs (z. B. Tourenplanung, Trittschulung) wäre auch dem wanderbegeisterten Bewohner sowohl im Inland wie im Ausland anzuraten. Ausführliche Berichte zum Thema Wandern und viele andere interessante Beiträge werden in der aktuellen Ausgabe von analyse:berg – jahrbuch Sommer 2019 präsentiert. 
 
Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit weist eindringlich auf Gefahr von Gewittern am Berg hin. Besonders aufpassen sollte man bei hoher Gewitterwahrscheinlichkeit, wie schwüle, feuchte Luft und Dunst am Morgen sowie rascher Entwicklung großer Quellwolken. Bei sorgfältiger Tourenplanung unter Einbezug des Wetterberichtes und aufmerksamer Beobachtung der Wetterentwicklung kann man bei entsprechenden Vorzeichen rechtzeitig reagieren und umkehren. Oftmals unterschätzt wird Hitze am Berg. In der Ausgabe analyse:berg – jahrbuch Sommer 2019 widmen sich die Mediziner Matthias Ströhle und Peter Paal diesem Thema.
 
HINWEIS - GEFAHR: Einbrechen in schneeüberdeckten Dolinen u. a. Hohlräumen

Die Soforthilfe durch Kameraden aus misslichen Situationen, kann in manchen Fällen lebensrettend sein bzw. vor schlimmeren Folgen bewahren. 

Der Schutz der eigenen Sicherheit geht bei Hilfeleistung vor!

Weiterführende Links & Publikationen:

GEFAHR: Einbrechen in schneeüberdeckten Dolinen u.a. Hohlräumen

 

Richtiges Verhalten beim Ausrutschen auf Schneefelder

 

Gut gerüstet in den Sommer mit der alpin:fibelreihe des Kuratoriums: Erste Hilfe, Wandern, Sportklettern, Klettersteig u. a. direkt im Internet bestellen oder per bestellungen@alpinesicherheit.at

 

ABO analyse:berg jahrbuch Sommer & Winter oder die aktuelle Ausgabe analyse:berg – jahrbuch Sommer 2019

Stand: 24.06.2019 - Foto News: © Regina Sterr - Quelle Grafiken: analyse:berg jahrbuch Sommer 2019, 17. Ausgabe, Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit
Wir verwenden Cookies um Nutzung und Präferenzen der Besucher auszuwerten. Datenschutzrichtlinien   OK